Ausstellung „Schule unterm Hakenkreuz“

Vom 27. Januar bis zum 26. Februar findet im Nebengebäude der ehemaligen Synagoge Wittlich die Ausstellung „Schule unterm Hakenkreuz – am Beispiel der Cusanus-Schule Wittlich 1933 – 1944″ statt.

Die Ausstellung ist täglich von 14 bis 17 Uhr, mittwochs 9 Uhr 30 – 12 Uhr, geöffnet. Für Schulklassen gibt es auch Sonderöffnungszeiten und Führungen
(Absprachen über Kulturamt der Stadt Wittlich, Tel.: 14 66 22).

Ein Gedenkabend mit Eröffnung der Ausstellung findet am 27. Januar 2014, 19 Uhr, mit einem Vortrag von Joachim Hennig (Koblenz) zum Thema „Jugend und Jugendwiderstand im Nationalsozialismus“ statt.

Veranstalter:
Arbeitskreis „Jüdische Gemeinde Wittlich“
„Emil – Frank – Institut“ Wittlich
Kulturamt der Stadt Wittlich

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NS-Kunst und wie man damit nicht umgeht (am Beispiel Wittlich)

„Die Erfahrung der eigenen Unterdrückung durch das menschenverachtende Nazi-Regime haben ihn ein Leben lang geprägt. Das, war er erlebt hatte und was andere durch Deutsche erleiden mußten, haben ihn veranlaßt, politische Prozesse im Nachkriegsdeutschland mit höchster kritischer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Wenn der Demokratiedefizite oder gesellschaftspolitische Fehlentwicklungen erkannte, nahm er kein Blatt vor den Mund. In seiner rigorosen, moralistischen und oft auch bissigen Art legte er sich mit Parteien, Verbänden und auch der Kirche an. Das brachte ihm nicht nur Anerkennung, Freunde und Mitstreiter ein.“
http://www.wittlich.de/kultur/museum/meistermann.htm

Diese Beschreibung des Künstlers Georg Meistermann (1911-1990) findet man auf der Wittlicher Stadtseite. Eigentlich ein eindeutiges Statement gegen das ehemalige Nazi-Regime und alles was damit in Verbindung steht, sollte man meinen. Zumal Meistermanns Kunst von den Nazis als „entartet“ gebrandmarkt und ab 1933 ein Ausstellungsverbot für seine Kunst verhängt wurde. Nicht in Wittlich. Hier tobt schon seit geraumer Zeit eine Debatte um den „Blut-und-Boden-Künstler“ Hanns Scherl (1910-2001) , dem zu Ehren Mitte Mai eine Ausstellung seiner Werke im Georg-Meistermann-Museum in Wittlich zu seinem 100. Geburtstag statt finden soll. Scherl war ab 1938 Mitglied der NSDAP und Oberscharführer in der Hitlerjugend. „Im Dritten Reich kam er (Scherl) recht gut an und erhielt Aufträge, so für ein Hitler-Porträt im Wittlicher Kreishaus.“ so der ehemalige Trierer Museumsdirektor Dieter Ahrens. Im Wittlicher Tagesblatt vom 12.11.1938 bezeichnet er seine Kunst als zum „Fanatismus verpflichtende Mission“. Außerdem konnte man am 26.03.2010 folgendes im Kölner Stadtanzeiger erfahren:

„Für den Entwurf und die Holzschnitte des Buches „Der Opferring des Kreises Wittlich“ zeichnet verantwortlich „Bildhauer H. Scherl.“ In einer einleitenden Widmung heißt es: „Dem Führer zum Geburtstag im Jahr der rheinischen Freiheit 1936.“ Unter einem Holzschnitt, der ein sehniges Bauernpaar zeigt, welches sich über die Ackerfurche beugt, steht geschrieben: „Die Treue zu Scholle, Blut und Sitte ist der Eifelmenschen tiefster Wesenszug.““
http://www.ksta.de/html/artikel/1264186008349.shtml

Die große Kritik der Veranstaltung unter den derzeitigen Bedingungen, die sogar soweit reicht, dass die Erben Georg Meistermanns juristische Schritte einleiten wollen um den Namen des Museums zu ändern, falls die Ausstellung dort statt findet, scheint den Wittlicher Bürgermeister Rodenkirch nicht zu beeindrucken. Er zeigt sich zwar gesprächsbereit, hält aber weiter an den Plänen fest, die Werke von Hanns Scherl im Meistermann-Museum auszustellen.

Warum die Ausstellung ausgerechnet in einem Museum statt finden muss, das nach einem entschiedenen Nazi-Gegner benannt wurde, ist uns ein Rätsel, das wohl nur die örtliche CDU lösen kann, die 2007 den Antrag zu dieser Ausstellung stellte. Den Georg-Meistermann-Preis, der zur Förderung von Demokratie und Meinungsfreiheit vergeben wird, scheint man dabei auch zu vergessen.
Auf einen anderen Ort auszuweichen, die Ausstellung kritisch zu begleiten und die Vergangenheit Scherls zu beleuchten sind unsere Forderungen um angemessen mit diesem Thema zu verfahren.

Autonome Antifa Trier

trier.blogsport.eu

Links zum Thema:

http://www.ksta.de/html/artikel/1264186008349.shtml

http://www.swr.de/mediathek/audio-radiowelt/swr2/-/id=4810924/did=6200848/pv=mplayer/vv=popup/nid=4810924/h88328/index.html

http://www.ksta.de/html/artikel/1264186008941.shtml

Nazikonzert in Wittlich

Der Volksfreund berichtete Anfang der Woche:

Ein als private Feier getarntes Skinhead-Konzert in der Bombogener Grillhütte ist am Wochenende vorzeitig abgebrochen worden. Als die Polizisten gegen Mitternacht auftauchten, wurden sie von den teils erheblich alkoholisierten Rechtsextremen mit Flaschen und anderen Gegenständen beworfen. Verletzte gab es nicht. Alle 120 Konzertbesucher wurden überprüft und erkennungsdienstlich behandelt, bevor sie einen Platzverweis bekamen und die Grillhütte räumen mussten …“ (more)

Und am Tag danachmehr noch:

Schon allein ein Blick auf die Kennzeichen der Fahrzeuge habe ergeben, dass die der rechten Szene zuzuordnenden Besucher auch aus anderen Bundesländern angereist waren. „Es gibt in unserem Beritt hier keine sich manifestierende Szene rechter Skinheads“, sagt Reinhard Rothgerber, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Trier, „Solche Veranstaltungen finden bundesweit statt. Diese Konzerte sind ein Mittel, um rechtes Gedankengut zu verbreiten. Darin sehen wir eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Und wir wollen konsequent gegen solche Machenschaften vorgehen. Das ist auch ein Signal, dass wir so etwas in unserer Region nicht dulden.“ An eine vergleichbare Razzia kann sich Reinhard Rothgerber, der sein neun Jahren im Polizeipräsidium Trier arbeitet, nicht erinnern . Das Präsidium hatte gemeinsam mit der Polizeiinspektion Wittlich und der Bereitschaftspolizei mit 300 Beamten in der Nacht zum Sonntag das Skinhead-Konzert auf einer Grillhütte im Wittlicher Stadtteil Bombogen aufgelöst … Die Beamten, die mit Flaschen und Gegenständen beworfen wurden, stellten eine Reichkriegsflagge und eine Hakenkreuzfahne sicher.  …“ (more)

Nun mag man zwar als Trierer denken: Wittlich, da ist das alles kein Wunder, dass die Stadt IC-Bahnhof ist, ist schon das schmeichelhafteste was es darüber zu sagen gibt, aber das stimmt nicht. Es sei vielmehr erinnert, dass es in Wittlich diesen Herbst eine umfangreiche Veranstaltungsreihe zum Thema Nationalsozialismus, Antisemitismus und 70 Jahre Pogromnacht gibt, mit Vorträgen, Ausstellungen, Lesungen u.v.a.m. von denen man in Trier ruhig eine Scheibe sich abschneiden könnte. Mehr Informationen dazu hier.