Zum Nachhören: Jens Benicke zu „Von Adorno zu Mao“

Letztes Jahr war auf Einladung der Linken Liste und der Jenny Marx Gesellschaft der Autor Jens Benicke in Trier zu Gast um sein Buch „Von Adorno zu Mao – Über die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung“ vorzustellen. Der damals aufgenommene Vortrag steht nun endlich zum Nachhören zur Verfügung.

[audio https://archive.org/download/20120628VonAdornoZuMao/2012-06-28_Von_Adorno_zu_Mao-112.ogg ]

Nachdem 1956 sowjetische Panzer den Aufstand gegen das staatskapitalistische Regime in Ungarn niedergeschlagen haben, entsteht aus dem Protest dagegen im Westen eine „Neue Linke“, die sich explizit gegen Stalinismus und Sozialdemokratie wendet. Diese sich zuerst in den USA, Frankreich und Großbritannien entwickelnde Strömung entdeckt dabei auch die dissidenten Traditionen der ArbeiterInnenbewegung, vom Rätekommunismus bis zum westlichen Marxismus, wieder.

Die Besonderheit der Neuen Linken in der Bundesrepublik ist dabei ihr starker Bezug auf die Kritische Theorie. Durch die antiautoritäre Studentenbewegung der Sechziger Jahre kommt diese in Deutschland zum ersten Mal praktisch zur Geltung. An Adorno, Horkheimer und Marcuse orientierte studentische Theoretiker wie Hans-Jürgen Krahl, Frank Bökelmann u. a. schaffen es Mitte der sechziger Jahre kurzzeitig im heterogen „Sozialistischen Deutschen Studentenbund“ (SDS) die Oberhand zu gewinnen und die dort ebenfalls stark vertretene traditionslinke Strömung zurückzudrängen.

Doch dieser erfreuliche Zustand ist nur von kurzer Dauer, denn schon auf dem Höhepunkt der studentischen Proteste entstehen aus der antiautoritären Bewegung heraus neoleninistische Strömungen, die die Kritische Theorie als vermeintlich „kleinbürgerlich“ zurückweisen. Diese Entwicklung fällt zeitlich zusammen mit einerseits erkennbaren Niederlagen der Bewegung, so verabschiedet etwa der Bundestag die Notstandsgesetze und andererseits einer deutlichen personellen Ausweitung der Proteste. Die bis dato überschaubare antiautoritären Gruppen stoßen erkennbar an ihren Grenzen. Die folgende „schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung“ und die Konstitution der mao-stalinistischen K-Gruppen bedeutet dann die endgültige Abkehr eines großen Teils der Protestbewegung von der Kritischen Theorie und den von ihnen selbst bis vor kurzen vertretenen Positionen. Aus der antiautoritären Bewegung entwickeln sich autoritäre Kaderorganisationen, die sämtliche emanzipatorischen Errungenschaften der Revolte in ihr Gegenteil verkehren.

03.02. – Vortrag: „System und Subjekt. Zur Kritik des Strukturmarxismus Louis Althussers“

Am 03. Februar 2011 veranstaltet die HSG Linke Liste in Zusammenarbeit mit der Jenny-Marx-Gesellschaft einen Vortrag zum Thema „System und Subjekt. Zur Kritik des Strukturmarxismus Louis Althussers“. Referent ist Dr. Werner Seppmann. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in Raum A6 (Uni Trier).

Eine eklatante kapitalistische Widerspruchsentwicklung hat zu einem neuen Interesse an der Marxschen Theorie geführt. Wie zuletzt in den späten 60er und 70er Jahren, ist eine Bewegung der »Kapital«-Lektüre und -Schulung entstanden. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, aber mit offenem Ausgang. Zwar gibt es nicht wenige Aneignungsbemühungen, um den gegenwärtigen Kapitalismus mit Hilfe des Marxschen Analyseverfahrens zu verstehen. Jedoch agieren ebenfalls eine ganze Reihe von »Kapital«- und Marxismus-Interpreten, denen es nicht darum geht, gesellschaftskritische Artikulationsbedürfnisse theoretisch zu fundieren, sondern die vorrangig damit beschäftigt sind, die Marxismus-Interessierten in ein Labyrinth weltloser Exegese zu führen. Im Resultat wird Marx ohne die 11. Feuerbachthese, also ohne die Perspektive der Gesellschafts-veränderung, interpretiert.

Solches Vorgehen hat eine lange Tradition. Argumentiert wird im Windschatten eines objektivistischen Theorieverständnisses, das in den 60er Jahren, dabei Grundelemente eines traditionellen Dogmatismus neu aufpolierend, von Louis Althusser propagiert wurde. Der KPF-Philosoph hatte mit seinem Ausruf »Das Kapital lesen« Furore gemacht. Der Hauptgedanke seines gleichnamigen Buches bestand in der Behauptung, daß das Marxsche »Kapital« die alleinige Basis eines »wissenschaftlichen« Marxismus sei und fast alle anderen theoretischen Erörterungen einer »ideologischen« Denkphase von Marx angehörten. Propagiert wurde ein Marx ohne Zivilisationskritik und humanistischer Selbstvergewisserung, ohne Entfremdungstheorie und konkreter Emanzipationsperspektive.

16.12. – Vortrag: „Zwischen Marx, Marxismus und Marxismen. Lesarten der Marxschen Theorie“ @ Uni Trier

Am 16. Dezember 2010 wird Ingo Elbe (Rote Ruhr Uni) unter dem Titel „Zwischen Marx, Marxismus und Marxismen. Lesarten der Marxschen Theorie“ einen Vortrag halten über verschiedene Lesarten und Interpretationen von Marx. Die Veranstaltung beginnt 18 Uhr in Raum A7 der Uni Trier.

Schon zu Lebzeiten soll Marx sich dagegen verwehrt haben, als Marxist bezeichnet zu werden. Was verschiedene Strömungen des Marxismus aus ihrem Namensgeber machten, hatte viel mit den Eigenheiten der Systemkonkurrenz zu tun und erschien lange Zeit als gesetzt. Erst im Zuge der Publikation bislang unveröffentlichter Manuskripte und in Abgrenzung zu traditionellen Lesarten der Kritik der Politischen Ökonomie entwickelte sich eine „neue Marx-Lektüre”.

Der Vortrag soll einen Überblick über die theoretischen Kernvorstellungen der drei Marxismen (traditioneller und westlicher Marxismus sowie neue Marx-Lektüre) vermitteln und damit auch einen Beitrag zu einer differenzierten Herangehensweise an die Texte von Marx selbst leisten. Elbe stellt nicht nur die Vielfalt der jeweiligen Lesarten pointiert dar, sondern zeigt auch, wo die entscheidenden Unterschiede zur vorangegangenen Marx-Rezeption liegen. Er wird die Kernfragen vorstellen, um die die Debatten einer kritischen Aneignung der Marxschen Theorie kreisen.

Ingo Elbe hat Philosophie in Bochum studiert und über die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik promoviert.

Eine Veranstaltung der HSG Linke Liste in Kooperation mit der Jenny-Marx-Gesellschaft.

23.06. – „Wohnen und Stadt – Inhalt/Form Aspekte in der Klassenauseinandersetzung“

2Am 23. Juni 2010 lädt die Hochschulgruppe Linke Liste zu einem Vortrag mit Dipl.Ing. Andreas Hartle ein. Das Thema lautet „Wohnen und Stadt – Inhalt/Form Aspekte in der Klassenauseinandersetzung“ und basiert auf einem gleichnamigen Artikel der in den Marxistischen Blättern erschien. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Raum A12 (Uni Trier).

04.02. – Was macht eigentlich die Bourgeoisie? (Vortrag)

Am 4. Februar 2010 wird Beate Landefeld auf Einladung der HSG Linke Liste einen Vortrag mit dem Titel „Was macht eigentlich die Bourgeoisie – Eigentum und herrschende Klasse in der BRD heute“ halten. Die Veranstaltung beginnt um 18°° Uhr im Raum A11 der Universität Trier. Unterstützt wird die Veranstaltung durch die Jenny Marx Gesellschaft.Aus dem Ankündigungstext:

Zeiten der Krise sind ebenso Zeiten der schnellen Veränderung in den Besitzverhältnissen vor allem in Kapitalgesellschaften. Berichte von Übernahmen und Fusionen machen nahezu wöchentlich die Runde. Doch wer besitzt eigentlich diese großen Kapitalgesellschaften? Auch unter Linken ist viel vom „transnationalen Kapital“ die Rede und nur noch selten von der „herrschenden Klasse“, womit in der Vergangenheit meist die Bourgeoisie des eigenen Landes gemeint war. Gibt es sie noch, die Klasse der Eigentümer an den Produktionsmitteln? Oder ist das Eigentum an Produktionsmitteln heute in Form der Kapitalgesellschaften mit Tausenden von Aktionären vergesellschaftet? Ist Kapitaleigentum durch deregulierte Kapitalmärkte und international agierende Investoren transnationalisiert und die Bourgeoisie zu einer transnationalen Klasse geworden? Ziel des Vortags ist es, sich entlang dieser Fragen einmal genauer anzuschauen, was es mit den Besitzverhältnissen der großen Industrie- und Handelsunternehmen in der BRD auf sich hat. Entgegen weitverbreiteter Annahmen soll das Referat zu einem, wenn nicht verblüffenden, so doch zumindest selten ausgesprochenen Schluß gelangen: Die Entwicklung in den Eigentumsstrukturen ergibt, daß das Familieneigentum nicht weniger, sondern in den letzten Jahren weiter an Bedeutung erlangt hat und daß nach wie vor zurecht die Rede von deutschem Kapital mithin von deutscher Bourgeoisie die Rede sein kann, ja vielmehr sogar die Rede sein muß.

Die Linke Liste ist der Auffassung, daß mit derlei Thesen, die sie als zutreffend erachtet, ein kleiner Beitrag zur Korrektur eines seit dem Aufkommen der Globalisierungsdebatte sich hartnäckig konservierenden Urteils über die Struktur der globalen und nationalen Ökonomie geleistet werden kann. Sie versteht diesen Beitrag nicht bloß als einen rein theoretischen. Denn sie geht davon aus, daß theoretische Verallgemeinerungen stets auch Rückwirkungen auf die politische Praxis besitzen. Somit ist die Veranstaltung auch als ein Diskussionsangebot darüber zu verstehen, inwieweit eine unter Linken weitverbreitete Kritik an den Finanzmärkten, am „finanzmarktgetriebenen Kapitalismus“, an der „Globalisierung“ im Allgemeinen zutreffend und zureichend ist. Sie möchte die Frage aufwerfen, ob der Protest gegen globale Institutionen (G8, IWF, Weltbank) immer gleich die richtige und vor allem einzige Adresse sein muß oder ob es nicht wieder wichtig werden könnte, den Blick auf die herrschende Klasse im eigenen Land zu richten. Wir hoffen, daß dieses Angebot wahrgenommen und mit uns über die vorgestellten Thesen gestritten wird.

Filmreihe der Linken Liste im WS 09/10

Auch dieses Semester gibt es wieder eine Filmreihe der Hochschulgruppe Linke Liste (LiLi). Gezeigt werden diesmal unter dem Motto „Class War in the USA“ jeweils um 20 Uhr im Infoladen folgende Filme:

Do 5.11. Heaven‘s Gate
Michael Cimino, 1980 (Beginn um 19:30 Uhr!)

Do 10.12. Matewan
John Sayles, 1987

Do 14.01 Harlan County, USA
Barbara Kopple, 1976

Do 11.02. Jimmy Hoffa
Danny de Vito, 1992

Do 18.02 Bonus-Film: Red Dawn
John Milius, 1984

LiLi Filmreihe "Class War in the USA"