Veranstaltungsreihe „Kritik. Bildung. Erneuerung“ in Saarbrücken

Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Yvonne Ploetz und die Peter-Imandt-Gesellschaft – der saarländischer Ableger der Rosa-Luxemburg-Stiftung – organisieren zwischen Juli und November eine Veranstaltungsreihe zur bundesdeutschen Hochschulpolitik bei der diese „einer kritischen Bilanzierung unterzogen und echte Alternativen erörtert und auf ihre Tragfähigkeit hin abgeklopft werden“ sollen. Folgende Veranstaltungen finden in den Räumen Peter-Imandt-Gesellschaft in Saarbrücken (Futterstraße 17-19) ab 18 Uhr statt:

  1. 14. Juli 2010: Wider die restlose Zerstörung der Universität. Ein Aufruf zu ihrer Neu- und Wiederbelebung.
    Nachdem in den 1970er Jahren das die Hochschulreform tragende Bündnis von Demokratisieren und Modernisieren zerbrach und letztere sich gegen erstere mit Konservativen verbündeten, wurde ein nachhaltiger Wandlungsprozess von Universität, Wissenschaft und Studium eingeleitet, der im Bolognaprozess inzwischen einen neuen Gipfelpunkt erreicht hat. Das humanistische Universitätskonzept und darüber hinaus die europäische Universitätsidee insgesamt wurde im Zuge der Reformen preisgegeben. Die Hochschule als technokratisch normierte Lernfabrik steht als implizites Leitbild der Reformen und als traurige universitäre Wirklichkeit einer humanen Bildungsidee entgegen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, ob und wie die Idee der Universität unter veränderten Bedingungen widerbelebt und neu gedacht werden kann und welche konkreten Schritte zu ihrer Verwirklichung eingeleitet werden können.

    Referent:
    Prof. Dr. Wolf Dieter Narr, Politikwissenschaftler, Emeritus der Freien Universität Berlin und Menschenrechtsaktivist
  2. 4. August 2010: Zur Erneuerung einer gesellschaftkritischen Wissenschaft in und außerhalb der Universitäten.
    Was uns auch immer die Vertreter eines immer noch dominierenden Neoliberalismus glauben machen wollen, Anlässe für Gesellschaftskritik gibt es zuhauf. Phänomene sozialer Ausgrenzung, eine verfestigte Massen- und Dauerarbeitslosigkeit, autoritärstaatliche Tendenzen und ökologischer Verwerfungen sind genauso zu nennen, wie Geschlechterdiskriminierungen, ein virulenter Rassismus und Antisemitismus oder auch die Abkopplung  ganzer Weltregionen aus dem Weltmarkt. Sowenig ein Mangel an Anlässen für kritische Interventionen besteht, so prekär sind gegenwärtig die Bedingungen für ihre Artikulation, gerade auch an den Universitäten. Es gibt mittlerweile ganze sozialwissenschaftliche Fachbereiche und Institute, in denen eine neoliberal geprägte Wissenschaft ganz ohne Gegenpositionen waltet. In der Veranstaltung wollen wir uns dieser Problematik unter einem besonderen Blickwinkel zuwenden. Wir wollen die Frage stellen, welchen Beitrag eine kritische Gesellschaftstheorie im Anschluss an Marx heute noch leisten kann. Wie muss diese reformuliert und aktualisiert werden, um unter veränderten Bedingungen ihre kritische Relevanz in der Öffentlichkeit und an den Universitäten zurückzuerlangen?

    Referent: Stefan Kalmring, Soziologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestagsbüro Yvonne Ploetz

  3. 22. September 2010: Die unternehmerische Hochschule und der Bildungsstreik.
    Spätestens seit den 1970er Jahren stellt sich die Frage nach den ausschließenden Momenten der jeweiligen nationalen Bildungssysteme in Europa immer wieder neu. Mit der neoliberalen Politik kam die unternehmerische Hochschule. Die europäische Bildungs- und Hochschulpolitik brachte PISA-Studie und Bologna-Reform. Welche emanzipatorischen Positionen und Bewegungen in Bezug auf Bildung und ihre Institutionen lassen sich in dieser gesellschaftlichen Situation formulieren (oder nicht)? Kann man eine Wechselwirkung zwischen den konkreten Organisationsweisen studentischen Protests und deren Erfolg bzw. Misserfolg ausmachen?

    Referent: Dr. Thomas Sablowski, stellvertretender Professor für Politikwissenschaft an der Johann- Wolfgang- Goethe Universität in Frankfurt am Main, Redakteur der Zeitschrift Prokla. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

  4. Veranstaltung 4: 20. Oktober 2010: Studiengehalt als Alternative. Modelle der Studienfinanzierung.
    Während der letzten Bildungsstreikwelle kam es in unterschiedlichen Zusammenhängen wiederholt die Forderung nach einem Studienhonorar zur Sprache. Neben Linksjugend[’solid] und linke.sds hat sich inzwischen auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) diese Forderung zu eigen gemacht. Allerdings sind im Punkto Studienhonorar noch viele Fragen nicht beantwortet. Die Veranstaltung gibt einen kurzen thematischen Überblick über die derzeitige Situation der Studienfinanzierung in Deutschland und versucht im Anschluss hieran die Idee des Studienhonorars vorzustellen ohne jedoch die offenen Fragen und Probleme der Finanzierung zu verschweigen.

    Referent: Konstantin Bender, Bildungspolitischer Sprecher von Linksjugend[’solid]

  5. 18. November 2010: Bologna burns – Zur Kritik der Vermarktwirtschaftlichung und Verschulung der Universitäten.
    Der Bologna-Prozess krempelt die Hochschulen so radikal um wie keine Reform seit der Bildungsexpansion der 1960er und 70er Jahre. Und er läuft sehr schlecht – zumindest für Studierende und Lehrende. Die Umstellung auf neue Studiengänge, die Auswirkungen von Studiengebühren und ein unterfinanziertes Bildungssystem waren zentrale Themen des letzten Bildungsstreiks. Die Protestierenden konnten die öffentliche Aufmerksamkeit für sich gewinnen und konnten Bildungsministerin Schavan unter Zugzwang setzen. Wir wollen mit Nicole Gohlke, hochschulpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE über den Bologna-Prozess diskutieren.

    Referentin: Nicole Gohlke, MdB, Hochschulpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

Bildungsstreik! – Nächste Woche!

Der Hinweis mag zwar etwas spät kommen, aber besser jetzt als nie: In der kommenden Woche finden auch in Trier eine Menge Veranstaltungen im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks statt. So gibt es unter anderem ein Campus-Camp, ein Konzert, eine Demo, eine Party, einen Haufen Vorträge usw. usf. Jedenfalls zu viel um es hier alles aufzuzählen, deshalb verweisen wir einfach auf das exellente Blog des AK Protests.