17.08. – „In antisemitischer Gesellschaft“ @ Saarbrücken

Vortrag und Diskussion mit Leo Elser (Redaktion Pólemos)
Freitag, 17. August
19.00 Uhr
Futterstraße 17-19, Saarbrücken

„Aber es gibt keine Antisemiten mehr“ – heißt es in der Dialektik der Aufklärung, denn sich Antisemit zu nennen, hat in der Politik zweifelsohne einen werbestrategischen Nachteil. Doch nur weil Raider heute auch Twix heißt, hat sich an der inneren Logik des antisemitischen Ressentiments deswegen noch nichts geändert. Was der positivistische Verstand nicht begreifen will, dass auf den veränderten Namen nicht notwendig der veränderte Gegenstand folgt; entgeht der Antisemitisforschung so wie den heutigen Antisemiten, die größtenteils davon überzeugt sind, keine zu sein.

Der Antisemitismus allerdings ist nicht ein beliebiges Vorurteil, sondern er hängt innigst am Kern der falschen Gesellschaft. Eine Einsicht in diesen Zusammenhang setzt einen Begriff von antisemitischer Gesellschaft voraus, der etwas anderes ist, als die bloß empirische Messung des Antisemitismus in einer Gesellschaft. Der Vortrag will zeigen, warum eine Kritik des Antisemitismus ohne eine Kritik der Gesellschaft et vice versa nicht zu haben ist.

Es spricht, Leo Elser (Redaktion Pólemos)
http://kritischetheorie.wordpress.com/

Eine Veranstaltung des Lesekreis der Kritischen Theorie in Saarbrücken, der Antifa Saar / Projekt AK, CriThink! e.V., Peter-Imandt-Gesellschaft und Heinrich Böll Stiftung Saar.

26.07.: Vortrag „Zur Rekonstruktion des Denkens“ @ Saarbrücken

Am 26. Juli 2012 veranstaltet der Saarbrücker Lesekreis zur Kritischen Theorie einen Vortrag mit dem Titel „Zur Rekonstruktion des Denkens“. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in den Räumlichkeiten der Peter Imandt Gesellschaft (Futterstraße 15-17, 66111 Saarbrücken).

Kritik als die theoretische Vorwegnahme der Beseitigung von Herrschaft bedarf als ihrer Voraussetzung der Fähigkeit zur Erkenntnis und des Willens zum Urteil – beides Eigenschaften des Individuums, die schon lange außer Wert gesetzt sind und seit dem Siegeszug der Postmoderne als geradezu verächtlich abgetan werden. Es drängt sich die Frage auf nach der Natur der konstitutiven gesellschaftlichen Bedingungen, welche die elementaren Voraussetzungen ihrer Beseitigung objektiv verschwinden lassen, wie auch nach der Verfasstheit der Subjekte, die freudig wollend etwas derart exotisches wie Objektivität fortstoßen und die Notwendigkeit Urteile zu fällen als zu überwindende Zumutung entrüstet von sich weisen. Kurzum soll der Möglichkeit von Kritik im Stande der allgemeinen Unfreiheit nachgegangen werden.

Es spricht Rainer Bakonyi (Würzburg).

23.05. – „Die Nation und die Dialektik der Aufklärung von Horkheimer und Adorno“ @ Trier

Am Mittwoch, den 23. Mai. Uni Trier, Raum A8, 12 Uhr c.t.
Referent: Thorsten Fuchshuber, Uni Luxemburg

Dass der zivilisatorische Fortschritt gesellschaftsgeschichtlich nur um den Preis einer damit einhergehenden Regression gelang, ist das Grundmotiv der „Dialektik der Aufklärung“. Da die Vernunft sich im Zeichen der Naturbeherrschung entfaltet hat, anstatt Natur versöhnt in sich aufzunehmen, ist Vernunft selbst gebrandmarkt mit dem Mal der Herrschaft. Die auf Unterdrückung basierende irrationale Rationalität bleibt über ihr eigenes Wesen unaufgeklärt, Vernunft ohne Selbstkritik der Vernunft schlägt in einen neuen Mythos um. Die Nation ist Teil dieses Mythos. Zu ihrem Wesen gehört – so Theodor W. Adorno – der Rückgriff auf den Naturalzusammenhang: „Eben deshalb, weil die Nation nicht Natur ist, muß sie unablässig sich selber verkünden, daß sie so etwas wie Naturnähe, Unmittelbarkeit, Volksgemeinschaft und alles das, eben doch sei.“ Die Selbstkritik der Vernunft ist daher zugleich auch Kritik der Nation und ihres zerstörerischen Potenzials, das in Auschwitz kulminierte.

Der Vortrag versucht, diesen Zusammenhang mit Bezug auf Adornos Verteidigung der Geschichtsphilosophie zu entfalten.

Veranstaltungsreihe zur kritischen Theorie der Gesellschaft in Saarbrücken

Der Verein CriThink und die Antifa Saar organisieren im Mai und Juni mehrere Veranstaltungen zur materialistischen Staats- und Ideologiekritik in der postnazistischen Gesellschaft in Saarbrücken:

Postnazismus revisited – Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert
Buchpräsentation & Diskussion mit dem Herausgeber Stephan Grigat
Dienstag, 22. Mai 2012
19 Uhr
Filmhaus Saarbrücken, Mainzerstraße 8, 66111 Saarbrücken

Die suspendierte Gattung – Zur Kritik der deutsch-europäischen Flüchtlingspolitik
Vortrag und Diskussion mit Danyal (Hamburg), Autor des Blogs Cosmoproletarian Solidarity
Donnerstag 21. Juni 2012
19 Uhr
DAJC Saarbrücken, Johannisstraße 13, Saarbrücken

„Nichts gelernt und nichts vergessen“ – Geschichte und Zukunft des Antizionismus in Deutschland
Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn (Freiburg)
Freitag, 03. August
19 Uhr
Saarbrücken, Futterstraße 17-19

Kapital und Souveränität – Einführung in die materialistische Staatskritik
Tagesseminar mit Joachim Bruhn (Initiative Sozialistisches Forum)
Samstag, 04. August
Saarbrücken, Futterstraße 17-19
(Anmeldungen an: info@crithink.de)

In antisemitischer Gesellschaft
Vortrag und Diskussion mit Leo Elser (Redaktion Pólemos)
Freitag, 17. August
Futterstraße 17-19, Saarbrücken

09.03. – Vortrag „Von Adorno zu Mao – Über die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung“ @ Saarbrücken

Am 09. März 2012 wird Jens Benicke sein Buch „Von Adorno zu Mao – Über die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung“ in Saarbrücken vorstellen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der N.N. (Nauwieserstr. 19). Aus dem Ankündigungstext:

Nachdem 1956 sowjetische Panzer den Aufstand gegen das staatskapitalistische Regime in Ungarn niedergeschlagen haben, entsteht aus dem Protest dagegen im Westen eine „Neue Linke“, die sich explizit gegen Stalinismus und Sozialdemokratie wendet. Diese sich zuerst in den USA, Frankreich und Großbritannien entwickelnde Strömung entdeckt dabei auch die dissidenten Traditionen der ArbeiterInnen­bewegung, vom Rätekommunismus bis zum westlichen Marxismus, wieder.
Die Besonderheit der Neuen Linken in der Bundesrepublik ist dabei ihr starker Bezug auf die Kritische Theorie. Durch die antiautoritäre Studentenbewegung der Sechziger Jahre kommt diese in Deutschland zum ersten Mal praktisch zur Geltung. An Adorno, Horkheimer und Marcuse orientierte studentische Theoretiker wie Hans-Jürgen Krahl, Frank Bökelmann u. a. schaffen es Mitte der sechziger Jahre kurzzeitig im heterogen „Sozialistischen Deutschen Studentenbund“ (SDS) die Oberhand zu gewinnen und die dort ebenfalls stark vertretene traditionslinke Strömung zurück­zu­drängen.
Doch dieser erfreuliche Zustand ist nur von kurzer Dauer, denn schon auf dem Höhepunkt der studentischen Proteste entstehen aus der antiautoritären Bewegung heraus neoleninistische Strömungen, die die Kritische Theorie als vermeintlich „kleinbürgerlich“ zurückweisen. Diese Entwicklung fällt zeitlich zusammen mit einer­seits erkennbaren Niederlagen der Bewegung, so verabschiedet etwa der Bundestag die Notstandsgesetze und andererseits einer deutlichen personellen Ausweitung der Proteste. Die bis dato überschaubare antiautoritären Gruppen stoßen erkennbar an ihren Grenzen. Die folgende „schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung“ und die Konstitution der mao-stalinistischen K-Gruppen bedeutet dann die endgültige Abkehr eines großen Teils der Protestbewegung von der Kritischen Theorie und den von ihnen selbst bis vor kurzen vertretenen Positionen. Aus der antiautoritären Bewegung entwickeln sich autoritäre Kaderorganisationen, die sämtliche emanzipatorischen Errungenschaften der Revolte in ihr Gegenteil verkehren.

Die Veranstaltung wird durchgeführt von der Heinrich Böll Stiftung Saar, Antifa Saar / Projekt AK, CriThink! e.V., Stiftung Demokratie Saarland, solid! Linksjugend.