15.06. – Vortrag „Jetzt in arischen Händen“ @ Trier

Am 15. Juni 2014 wird die Historikerin Jutta Albrecht einen Vortrag mit dem Titel „‚Jetzt in arischen Händen‘ – Wie aus dem ‚Einheitsgeschäft Erwege‘ das ‚Kaufhaus Hägin‘ wurde“ halten. Die Veranstaltung beginnt um 11:30 Uhr im Stadtmuseum Simeonstift (Simeonstraße 60, Trier). Der Eintritt kostet 6,- €.

Kaufhof, Karstadt, Hertie – diese Namen von großen Warenhäusern stehen sinnbildlich für die lange Tradition der Kaufhäuser in Deutschland. Hinter diesen Firmen standen aber auch Unternehmer, die in den Dreißigerjahren von den politischen Entwicklungen im Deutschen Reich profitierten: Aus der Ausgrenzung, Verfolgung, wirtschaftlichen Vernichtung und letztendlich Ermordung der Juden schlugen sie ihr Kapital. Am Beispiel des Trierer Einheitspreisgeschäft Erwege in der Simeonstraße zeichnet die Historikerin Jutta Albrecht am Sonntag nach, wie die unrechtmäßige Aneignung jüdischen Besitzes 1935 vollzogen wurde. Dokumente aus der Nachkriegszeit zeigen dabei, wie dieses Unrecht auch nach 1945 nicht angemessen aufgearbeitet wurde.

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23.04. – Vortrag „Klaus Barbie: Karrieren eines Gestapo-Offiziers“

Am 23. April 2014 findet der 2. Teil der der Vortragsreihe „Nationalsozialistische Täter in/aus Trier“ der AG Frieden Trier um 19 Uhr in der VHS Trier (Domfreihof, Raum 5) statt.

Der Abiturient des Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums wurde 1942 Chef der Geheimen Staatspolizei im französischen Lyon und erwarb sich bald den Ruf eines besonders grausamen Nazi-Schergen. Nach dem Krieg machte er Karriere in Bolivien und wurde für den Bundesnachrichtendienst (BND) tätig. Erst 1983 gelang seine Verhaftung und Auslieferung nach Frankreich.

Hintergrund der Vortragsreihe: Nationalsozialistische Täter in/aus Trier

Zu Recht steht die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im Zentrum des Gedenkens. In Trier halten z.B. das Gedenkbuch der Stadt („Trier vergisst nicht“), die politisch-historischen Rundgänge der AG Frieden und die 146 bislang verlegten „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig das Gedenken an die Ermordeten wach. Doch nicht nur der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Triers, Benz Botmann, hat bei seinen öffentlichen Reden immer wieder die Frage nach den Tätern gestellt. Mit dieser Vortragsreihe werden nun Menschen vorgestellt, deren Lebensweg sich mit der Stadt Trier kreuzt und die in besonderer Weise aktiv wurden in diesem „Projekt der Unmenschlichkeit“. Gefragt wird auch, wie sie zur Rechenschaft für ihre Taten gezogen wurden oder ob sie – wie Klaus Barbie, der „Schlächters von Lyon“ – auch nach dem Krieg Karriere machten.

Historische und sozialpsychologische Forschungen haben gezeigt, dass die wenigsten Täter Sadisten oder Psychopathen waren, sondern „ganz normale Männer“ (Christopher Browning). So wie der KZ-Überlebende Primo Levi es einmal formuliert hat: „Es gibt Ungeheuer, aber es sind zu wenige, als dass sie wirklich gefährlich werden könnten. Wer gefährlicher ist, das sind die normalen Menschen.“

16.01.-07.02. – Ausstellung und Rahmenprogram „Es lebe die Freiheit!“

Vom 16. Januar bis zum 07. Februrar 2014 wird in Trier die Ausstellung „Es lebe die Freiheit!“ gezeigt. Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Widerstand von Jugendlichen im Nationalsozialismus:

Viele junge Menschen verfielen den Ideen des NS-Regimes. Nur eine Minderheit zeigte den Mut an bestimmten Punkten „Nein“ zu sagen und/oder Widerstand zu leisten. Diesen jungen Menschen, die aus verschiedenen sozialen und politischen Milieus entstammen, die in unterschiedlichster Form den Vorgaben des Regimes nicht folgten oder in ganz verschiedenen Formen Widerstand leisteten, widmet sich diese Ausstellung.

In einer leicht verständlichen Sprache werden die Motive und die Aktionen der Jugendlichen auf 32 Tafeln dargestellt. Einzelne Biographien bringen den Betrachtern die Lebensläufe von jungen Kommunisten, Sozialdemokraten, Zeugen Jehovas, Juden oder ursprünglich unpolitischen jungen Menschen näher. Als Gruppen des Widerstands sind unter anderem die Edelweißpiraten, die weiße Rose und die Rote Kapelle vertreten. Veran­stalterinnen: AGF, ESG, KHG, VHS Trier, Stadt Trier  und Landes­zentrale für politische Bildung

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30.01. – Vortrag: „Die Leute bekommen, was sie verdienen…“ @ Trier

Im Rahmen der Ausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ laden die AGF, die beiden christlichen Studierendengemeinden und die VHS Trier am Mittwoch, dem 30.01.2013, um 19:00 Uhr zu einem Vortrag ein. Unter dem Titel „Die Leute bekommen, was sie verdienen…“ referiert Daniela Krause von der Universität Bielefeld über die Ausbreitung menschenfeindlicher Mentalitäten in Deutschland. Sie stützt sich dabei auf eine Langzeitstudie des Soziologen Prof. Wilhelm Heitmeyer, der seit zehn Jahren die Entwicklung von Vorurteilen in unserer Gesellschaft untersucht. Diese Studie wurde unter dem Titel „Deutsche Zustände“ seit 2001 auch als Taschenbuch veröffentlicht und fand große Beachtung.

Daniela Krause ist Mitarbeiterin von Prof. Heitmeyer im Projekt „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld.

Der Vortrag findet im Raum 5 der Volkshochschule Trier, Domfreihof, statt.

Die Ausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus – damals verfolgt, heute ausgegrenzt?“ ist noch bis 6.2.2013, bis 29.1. in der vhs, Domfreihof und danach 30.1. – 6.2.2013 in der Universität. www.agf-trier.de

27.01. – Themenrundgang „Stolpersteine erzählen“ in Trier

27.01. – Themenrundgang „Stolpersteine erzählen“ in Trier

Die Verfolgung von Triererinnen und Trierern, die von den Nationalsozialisten als „asozial“ und „gemeinschaftsfremd“ denunziert worden waren, ist Thema des diesjährigen Stolpersteinrundgangs. Dabei werden Stolpersteine und andere Stationen besucht, die an das Schicksal dieser oft vergessenen NS-Opfer erinnern.

Anlass ist der Nationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, der jedes Jahr am 27. Januar begangen wird. In diesem Jahr findet der Rundgang am Sonntag, dem 27. Januar, als Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ statt. Die Ausstellung wird von der AG Frieden e.V., der Evangelischen Studierendengemeinde, der Katholischen Hochschulgemeinde und der Volkshochschule der Stadt Trier mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz in Trier bis zum 6. Februar gezeigt. Nähere Infos zu Ausstellung und Programm s. www.agf-trier.de.

Treffpunkt für den Rundgang, der ca. 1,5 Stunden dauert, ist das Friedens- und Umweltzentrum der AGF in der Pfützenstraße 1 in Trier. Beginn ist um 15:00 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos, um Spende wird gebeten.

Von der Endlösung ins Finale …

Die SZ berichtet heute unter dem Titel „Auf dem Weg in die Hölle“ über die makabre Vergangenheit jenes Stadions in Wien, in dem morgen das EM-Finale zwischen Deutschland und Spanien ausgetragen wird:

Im September 1939, nach dem deutschen Angriff auf Polen, ordnete der SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich die Inhaftierung von mehr als 1000 Wiener Juden an, deren Wurzeln in Polen lagen. Sie wurden gefangen gehalten unter dem Sektor B, wo heute die betuchteren Gäste die Spiele verfolgen dürfen. An 440 Häftlingen wurden von Mitarbeitern des Naturhistorischen Museums so genannte rassische Untersuchungen vorgenommen, unter anderem Schädelmessungen. Ein paar Tage später wurden sie in das KZ Buchenwald deportiert. David Forster sagt, das Stadion lag damals „auf dem Weg in die Hölle“. Kurz darauf schossen Fußballer im Praterstadion wieder Tore

Erst im Jahre 2002 wurden diese Fakten in Österreich widerwillig öffentlich aufgearbeitet und eine kleine unscheinbare Gedenktafel angebracht.

Dass Fussball und Politik nicht so einfach zu trennen sind, wie gerne von den Sportverbänden behauptet, ist hingegen schon länger bekannt. Dass in Chile nach dem Militärputsch 1973 das Fussballstadion der Hauptstadt dazu diente, Oppositionelle zu inhaftieren und zu foltern, ist weithin bekannt, haben diese Szenen sich doch als Symbol der Pinochet-Diktatur eingebrannt. Weniger bekannt ist hingegen, dass nur 14 Tage später die UEFA ohne Bedenken in ebendiesem Stadion ein offizielles WM-Qualifikationsspiel anpfiff, nachdem ihre Funktionäre befunden hatten, dass der Rasen wieder spieltauglich sei. Der Gegner, die UdSSR, weigerte sich damals allerdings, bei diesem Zynismus mitzuwirken. Das Spiel wurde trotzdem angepfiffen – mit nur einer Mannschaft, nicht-öffentlich, mit einigen vom Regime angekarrten Zuschauer – und offiziell als Sieg für Chile gewertet.

1978, als die WM im damals ebenfalls von einer Militärdiktatur regierten Argentinien stattfand, lud der DFB den nach Südamerika geflüchteten hochdekorierten Nazi Hans-Ulrich Rudel zu sich ins Mannschaftsquartier ein (vgl. hier). In Deutschland hat es letzlich über 50 Jahre Jahre gedauert, bis der DFB seine eigene Verstrickung in den Nationalsozialismus zugegeben und kritisch aufgearbeitet hat – was wenig verwundert wenn man sich vergegenwärtigt, dass dort solche Figuren wie Gerhard Mayer-Vorfelder wirkten, dessen Aufstieg wesentlich der Protektion von Altnazi Filbinger zu danken ist, und der bis heute aktive Verbindungen pflegt in die neurechten und nationalkonservativen Kreise rund um das dubiose „Studienzentrum Weikersheim“.

Erst 2005 wurde durch die Studie „Fussball unterm Hakenkreuz“ von Nils Havemann (Kurzfassung hier) die braune Vergangenheit des DFB systematisch aufgearbeitet. Für nur 4 Euro kann man das Buch bei der Bundeszentrale für politische Bildung bestellen.