The Future Is Unwritten – Antifa Aktionstage in Trier

thefutureisunwritte_plakatIn den nächsten Wochen plant die Autonome Antifa Trier eine antikapitalistische Kampagne mit Vorträgen, Partys und der Beteiligung an einer Bleiberechtsdemo in Trier (tba.). Hier die Veranstaltungen, die bis jetzt feststehen:

Außerdem gibt es einen kurzen Aufruf zur Kampagne:

the future is unwritten

In den Tagen der Krise halten alle zusammen. Opposition und Regierung scheinen sich plötzlich einer Meinung zu sein wenn es darum geht die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands zu sichern. Mit allen Mitteln wird versucht das kapitalistische System aus einer der größten Krisen der Geschichte zu heben. Dabei ist es nebensächlich, dass tausende Menschen in den Ländern die von den Rettungspaketen und den damit verbundenen strengen Auflagen der europäischen Troika¹ betroffen sind, in Armut sowie mit Existenzängsten leben und an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Denn allen scheint klar zu sein was das – den Menschen übergeordnete – Ziel der Rettung ist: „Der Laden muss laufen!“

Damit die kapitalistische Gesellschaft auch weiterhin fortbesteht müssen Opfer erbracht werden. Während Jugendliche in den sogenannten PIIGS² Staaten um ihre Existenz kämpfen, versuchen jene deren Existenz schon von vornherein verunmöglicht wurde in die Staaten des kapitalistischen Zentrums zu fliehen. Das europäische Grenzregime versucht dabei die Flucht der Menschen die mit der Hoffnung auf ein besseres Leben für sich und ihre Familien ihr eigenes riskieren zu verhindern. Lager, Zäune, Grenzen und Abschiebungen. In der Angst den eigenen Wohlstand zu verlieren, werden geflüchtete Menschen tagtäglich aus Europa abgeschoben oder vor den Grenzen in den Tod getrieben.

Dieses Leid und das Elend der Welt sind keine Begleiterscheinungen des Kapitalismus, sondern ein direktes Resultat der wertverwertenden Gesellschaft, die nicht für den Menschen sondern, im Widerspruch zu seinen Bedürfnissen, für den Profit Waren produziert. In dieser ewigen Tautologie der Akkumulation von Kapital³ muss sich das Subjekt der Arbeit unterordnen und unterliegt den Verkehrungen und Mystifikationen⁴ die diese Gesellschaft aus sich heraus produziert. In Folge dessen stehen nicht die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt der Gesellschaft sondern die Ware und ihr Wert. Ein Mensch erscheint für diese Gesellschaft nur als wertvoll, wenn er für sie verwertet werden kann. Rassismus, Nationalismus und andere Ideologien sind zwar älter als der Kapitalismus, werden aber so durch die Logik von Konkurrenz und Leistung immer wieder reproduziert.

Der Kapitalismus: Ein Schrecken ohne Ende ?

Die Frage drängt sich also auf, was es für einen Sinn hat, ein System zu retten das zum einen über den Menschen herrscht und zum anderen dabei (fast) nichts als Elend produziert? Einen Ausweg scheint es nicht zu geben, das Ende der Geschichte scheint erreicht und glaubt man den aktuellen Diskussionen, dann kann es nur noch darum gehen den Schrecken zu begrenzen.
Diesem Irrglauben zum Trotz kämpfen überall Menschen für ihre Rechte und für ein besseres Leben ohne gesellschaftliche Zwänge. In Europa gehen Menschen gegen ihre Regierungen und Spardiktate auf die Straße und in Deutschland demonstrieren Refugees⁵ für ihr Bleiberecht und soziale Anerkennung.

Wir werden uns sowohl mit der aktuellen Krise, ihren Auswirkungen und Gefahren als auch mit dem Kapitalismus als solchem und möglichen Auswegen beschäftigen. Darüber hinaus beteiligen wir uns an den Kämpfen der Refugees und wollen im Juni gemeinsam für ein besseres Leben für alle Menschen auf die Straße gehen.

Wir sehen es nicht ein, uns mit einem System zufrieden zu geben, in dem der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist⁶. Wir wollen dass der Mensch sein eigenes Schicksal bestimmen und selbst entscheiden kann wie und wo er sein Leben verbringen will. Wir wollen, dass für die Bedürfnisse der Menschen produziert wird und nicht gegen sie. Wir wollen, dass niemand mehr sterben muss weil er verhungert, verdurstet oder erfriert obwohl genug Rohstoffe für alle Menschen existieren.

Deshalb wollen wir in den kommenden Wochen mit euch diskutieren und Widerstand leisten aber auch tanzen und feiern.
Denn für uns alle gilt: „The Future is unwritten!“⁷

_________________

1: Nicht amtliche Bezeichnung für das Dreiergremium zur Leitung der Außen- und Sicherheitspolitik der EU bestehend aus dem Außenminister eines Mitgliedsstaates, dem EU-Außenkommissar und dem Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik
2: Das Akronym PIIGS bezieht sich auf die verschuldeten Staaten Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien.
3: Karl Marx beschreibt die Akkumulation des Kapitals als einen ständigen Prozess der Hinzufügung von Mehrwert zum Kapital. Geld wird als Kapital in Maschinen, Material und Arbeitskräfte investiert, um dann beim Verkauf der produzierten Erzeugnisse mehr Geld und damit einen möglichst hohen Mehrwert zu erzielen, der dann wieder in Kapital verwandelt wird.
4: Diese Mystifikationen und Verkehrungen sind Resultate der kapitalistischen Produktionsweise: Im Kapitalismus werden den Waren, dem Geld und schließlich dem Kapital Eigenschaften zugeschrieben, die ihnen nicht von Natur aus zukommen.
5: „Refugee“ ist eine Selbstbezeichnung und wird von geflüchteten Menschen in Deutschland verwendet.
6: „Emanzipation befreit von Fremdbestimmung, von Herrschaft und Unterdrückung. Ziel von Emanzipation ist Selbstbestimmung. Um Selbstbestimmung zu erreichen, müssen wir „alle Verhältnisse umwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. K. Marx, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, MEW 1, 385.
7: Die Zukunft ist ungewiss!
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