28.02. – Demo für den Erhalt der Skatehalle in Trier

Auch in Trier hält die Gentrifizierung einhalt – und Proteste folgen auf dem Fuße. Unter dem Motto „Mein Skateboard ist wichtiger als dein Loft!“ findet am kommenden Dienstag, den 28. Februar 2012, um 16.45 Uhr vor dem Trierer Rathaus eine Demo für den Erhalt der Skatehalle statt. Der Infoladen unterstützt die Demo und den im Folgenden dokumentierten Aufruf dazu:

Mein Skateboard ist wichtiger als dein Loft!

Die Skatehalle in Trier West auf dem ehemaligen Edeka-Gelände soll dem Bauprojekt BW 74 weichen. Seit Monaten formiert sich Protest unter den Skater*innen. Wir erklären uns solidarisch mit den Protesten und fordern den Erhalt der Halle am jetzigen Platz! Der „Masterplan“ ist nicht in unserem Interesse – selbstverwaltete Strukturen wie die Skatehalle hingegen schon!

Was ist dieses Bauprojekt eigentlich?

Das Bauprojekt BW 74 ist Teil des sogenannten „Masterplans Trier West“, der diesen „vernachlässigten“ Stadtteil aufwerten soll. Hier geht es nicht darum, neue Sozialwohnbauten oder die längst geforderten Wohnräume für Studierende zu schaffen, sondern um das Gegenteil: ein Investor soll einen neuen Petrisberg mit schicken neuen Wohnungen für gut betuchte Bürger*innen planen, die dann im Gegenzug wieder Geld in die Kassen spülen sollen. Die Erfahrung mit Gentrifizierungsprozessen in anderen Städten hat gezeigt, dass im Zuge solcher großspuriger Sanierungen soziale Wohnräume verschwinden, die Mieten steigen und diejenigen, die sich die neuen Lofts sowie die durch Stadtviertelaufwertung steigenden Mietspiegel nicht leisten können, wegziehen müssen. Es liegt also auf der Hand, für wen hier Politik gemacht wird.

Mit dem ehemaligen Gelände des Edeka enthält der Flächennutzungsplan ein Gebäude, welches vollständig durch neuartige Wohnungen ersetzt werden soll. Das Gelände stellt eine der wenigen stadteigenen Flächen im Bebauungsplan dar. Sowohl die aktuelle Nutzung dieses Gebäudes als Skatehalle, als auch die Bedürfnisse der Benutzer*innen – sowie Jugendlichen im allgemeinen – sind im Masterplan nicht beachtet worden.

Und was wird dafür geopfert?

Die Skatehalle ist ein selbstverwaltetes Projekt aus der Szene für die Szene, seit Jahren Anlaufstelle für diverse Skater aus einem Umfeld von über 200km. Ein vergleichbares Angebot findet sich erst wieder in Köln und Mainz. Dass diese Halle damit auch einen kulturellen Verkehrsknotenpunkt für zahlreiche Menschen darstellt, die z.B. eigens aus Metz anreisen um in Trier zu skaten wird wenig geschätzt.

Die Skatehalle bietet sowohl Kinder & Jugendlichen, als auch Studierenden und jungen Erwachsenen eine Möglichkeit sich zu entfalten und auszudrücken; es steht mehr als nur eine Sporthalle auf dem Spiel! So wird angestrebt, das Gebäude über den Sport hinaus als kulturelles Zentrum für die Stadt Trier nutzen und vielen Gruppen neuen Raum zur Verfügung stellen zu können. Die bestehende Chance Kulturangebote in Trier und Trier-West jedoch dauerhaft zu verankern droht zu verstreichen. So steht die Skatehalle in einer Reihe mit anderen Projekten wie etwa dem Kulturzentrum Karussell, dass das kulturelle Leben Triers bereichert hatte, aber keine nennenswerte Förderung von der Stadt erhielt und mangels geeigneter Standortalternativen dicht machen musste.

Die Möglichkeiten der Skatehalle Trier finden sich in keinem Leistungsangebot anderer Jugend- oder Sporteinrichtungen – was es hier gemacht wird, gibt es woanders nicht. Jüngst erst wurden die Zuschüsse für das ExzellenHaus gekürzt – wodurch die dort angebotenen Veranstaltungen immer weiter in Bedrängnis geraten. Auch die desaströse Lage des Stadttheaters fügt sich in diese Aufzählung ein. Das Argument der Stadt ist immer dasselbe: für solche Projekte fehle das Geld. Dass, in der Hoffnung zukünftig steigender Einnahmen, wiederum erhebliche Summen in das besagte BW 74 gesteckt werden, lässt die Prioritätensetzung der Stadt offensichtlich werden.

Nun bietet die Stadt zum wiederholten Male einen Verfahrensvorschlag an: aus finanzpolitischen Gründen müsse die Halle abgerissen werden, der Nutzungsvertrag wird auslaufen – aber es werde nun tatsächlich eine Ersatzhalle gesucht. Eine Suche, die vor 2 Jahren bereits erfolglos verlief, weil es keine geeignete Alternative gibt. Selbst der Ortsbeirat Trier-Wests spricht sich gegen den Flächennutzungsplan aus. Mit dem Abriss der Skatehalle entsteht ein Loch in der kulturellen als auch gesellschaftlichen Landschaft von Trier-West.

Der Abriss der Skatehalle hätte nicht nur zur Folge, dass das kulturelle Leben in Trier West einer Grundlage beraubt und die überregionale Skatekultur ins Abseits gestellt werden – es bedeutet auch Politik gegen das erklärte Interesse der Stadtbewohner*innen und Jugendlichen. Deshalb sprechen wir und für den umgehenden Schutz der Skatehalle und darüber hinaus den Erhalt der damit verbundenen selbstverwalteten Strukturen aus!

Wir fordern den Erhalt der Skatehalle am jetzigen Standort bis ein Finanzierungsmodell und eine alternative Halle gefunden wird – auch über den 31. Dezember 2012 hinaus! Zudem rufen wir zur Solidarität mit den Skater*innen auf und begrüßen die Beteiligung an Aktionen und Veranstaltungen. Sämtliche Informationen und Termine sind auf dem Blog der Skatehalle einzusehen. Mit der nächsten Veranstaltung (28. Februar 2012, 16:45 Uhr, vor dem Trierer Rathaus) wollen sich die Skater*innen und Befürworter*innen der Skatehalle vor dem Trierer Stadtrat Gehör verschaffen und auf ihre Situation hinweisen.

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