16.06. – „Geschlecht und Nationalismus im Fußball“

Am 16. Juni 2010 findet um 18 Uhr im Raum C10 (Uni Trier) ein Vortrag zum Thema „Geschlecht und Nationalismus im Fußball“ statt. Veranstalter sind das Autonome Feministische Frauen- und Lesbenreferat und das Referat für Antirassismus, Antifaschismus und Antidiskriminierung des AStA:

In alltäglichen Diskussionen wird Fußball immer wieder als „unpolitisch“ beschrieben, denn angeblich handelt es sich bei dieser globalen Sportart um ein Spiel, bei dem 22 Personen einem Ball hinterherlaufen, um ihn letztendlich ins Tor zu schießen.

Außerdem wird Fußball als naturwüchsige „Männersache“ aufgefasst. In den sich ständig wiederholenden Massenzeremonien, Ritualen und Praxen auf dem Spielfeld, den Tribünen, den Straßen und vor den Fernsehern werden beispielsweise zu „weiche“ Spieler als „Schwuchtel“ oder als „Frau“ beschimpft. Da ist es nicht verwunderlich,dass in diesem homophoben Klima die Anzahl der Coming-Outs von Spielern, die homosexuell begehren, gegen Null tendiert. Gleichzeitig umarmen und küssen sich Spieler während eines Torjubels. So lässt sich an dieser Stelle nach den Formen und Ausprägungen von Gender im Fußball fragen? In welchem Zusammenhang stehen Homoerotik und Homophobie? Wie zeigt sich „männliche Hegemonie“ im Fußball und gibt es eine „hegemoniale Männlichkeit“, die als Norm für gesellschaftliche Praxen in dieser Sportart anzusehen ist? In welchem Verhältnis stehen Frauen- und Männerfußball?

Des weiteren zeigt sich spätestens seit der WM 2006, als die euphorisierte deutsche Nation fahnenschwenkend und mit allerlei schwarz-rot-goldenen Accessoires ausgestattet in die Fußballstadien und auf die öffentliche Plätze stürmte, dass beim Fußball eine „nationale Vergemeinschaftung“ stattfindet. Mit viel Freude wurde auch eine zunehmende Partizipation von Frauen an diesem Bekenntnis zur Nation festgestellt.

In der deutschen Nationalmannschaft spielen mittlerweile dunkelhäutige und Spieler mit sogenanntem „Migrationshintergrund“, die teilweise in der „Du bist Deutschland-Kampagne“ warben. Kann der neue „deutsche Patriotismus“ deswegen als friedfertig und freundlich a la zu „Gast bei Freunden“ bezeichnet werden? Wird Rassismus durch Fußball zurückgedrängt?

Es lässt sich also nach der Verquickung von Nationalismus und Sport fragen? Welche Prozesse der nationalen Vergemeinschaftung finden statt?

Diesen und anderen Fragen soll nachgegangen sowie Aspekte und Prozesse der „nationalen Vergemeinschaftung“ und der „geschlechtsspezifischen Vergesellschaftung“ im Fußball als auch mögliche Praxisformen sollen diskutiert werden.

Der Referent Benjamin Fuchs ist in der Projektgruppe Nationalismuskritik aktiv.

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