Konni Kanty verlässt Linkspartei

Seit DIE LINKE. bei der letzten Kommunalwahl in Trier zwei Mandate im Stadtrat erlangen konnte ging es innerparteilich hoch her. Die beiden Abgeordneten – Katrin Werner (seit September auch Bundestagsabgeordnete) und Johannes Verbeek – zerstritten sich, kündigten sich gegenseitig mehrmals die Fraktion auf und verlangten den Rückzug des jeweils anderen.

Jetzt erklärt Konni Kanty, welcher im Falle eines Rücktritts Werners oder Verbeeks in den Stadtrat nachgerückt wäre, seinen Austritt aus Linkspartei und Linksjugend [’solid]. Im Folgenden dokumentieren wir seine Austrittserklärung:

Trier, 02.04.2010

Hiermit erkläre ich, Konni (Konstantin) Kanty (XX.XX.1988 in Rathenow) meinen Austritt aus der Partei DIE LINKE. und aus deren Jugendorganisation, der Linksjugend [’solid].

Da dies nicht aus „jugendlicher Sprunghaftigkeit“ passiert, möchte ich zum Verständnis eine Begründung abgeben.

  1. Die Situation in der Partei DIE LINKE. in Trier und Trier-Saarburg ist desaströs. Diese Situation wurde meiner Auffassung nach maßgeblich ausgelöst durch den Kreisvorsitzenden und Stadtratsabgeordneten Dr. Johannes Verbeek. Er hat seit seiner Aufstellung auf der Stadtratsliste die Partei im gesamten nicht nur enttäuscht, sondern sie maßgeblich demontiert. Ohne eine Chronologie der Vorfälle aufführen zu wollen, stehen für mich persönlich jedoch einige Daten im Vordergrund meiner Kritik. Dazu gehört zum Beispiel das Mobbing gegen Marc-Bernhard Gleißner am Anfang der Wahlperiode, das schließlich zu dessen Mandatsniederlegung führte. Zu nennen ist nicht minder das intrigante Verhalten gegenüber mir als einzigem Fraktionsmitarbeiter, das unter anderem darin zum Ausdruck kam, dass er mich wegen eines meines Erachtens gelinden Ausrutschers (ich habe ihn kurz nach meiner von ihm ausgesprochenen Kündigung in einer an einen Genossen gerichteten Email „Johannes Querbeet“ genannt und behauptet, er habe meinen Bürostuhl zur Kontrolle meiner Arbeit präpariert) und wegen der nachweislich falschen Unterstellung des Diebstahls meines eigenen Arbeitsvertrages bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hat. Des Weiteren musste ich mir mein letztes ausstehendes Gehalt von 400€, welches Johannes Verbeek weigerte mir zu zahlen, vor dem Arbeitsgericht Trier einklagen. Auch das fast schon pathologische Verhalten gegenüber Katrin Werner als Stadtratsabgeordnete in den Medien und parteiintern ist unerträglich, und auch jeder neue Versuch, mit ihm ein gedeihliches Auskommen der politischen Zusammenarbeit zu pflegen, ist und wird erfolglos bleiben. Diese Gegebenheiten lassen mich letztlich an der Aufrichtigkeit der linken Grundsätze dieses egozentrischen Kreisvorsitzenden zweifeln, der sich selbst nicht entblödet, sich einen Marxisten zu nennen (wenn dem nur so wäre…), und dessen irrlichterndes Gebaren zu allem Überfluss auch noch vom Landesvorstand sanktioniert wird.

    Die permanent unsolidarische und undemokratische Verhaltensweise von Johannes Verbeek und seine unablässigen Querschüsse sind der Grund dafür, dass weder Orts- noch Kreisverband der Partei derzeit im Stande sind, ein angemessenes lokalpolitisches Profil zu entwickeln, wonach zu handeln wäre.

  2. Die vorhergehenden Ereignisse, brachten mich zu der Frage: Für wen mache ich das eigentlich alles? Ich bin mit 15 Jahren (2004) in die Jugendorganisation [’solid]-die sozialistische Jugend und circa ein halbes Jahr später in die PDS und kurze Zeit darauf auch in die WASG (und auch deren Jugendorganisation „WASGeht“) eingetreten und dann auch recht schnell in den Kreisvorstand der WASG-Bitburg-Prüm gewählt worden. Ich bin damals in der Absicht politisch aktiv geworden, gegen Faschisten zu kämpfen, die Umwelt zu schützen und den Kapitalismus zu überwinden. Heute kann ich vor allem letzteres bei der Partei DIE LINKE. nicht mehr erkennen. Ich finde in dieser Partei auf Bundesebene keinen antikapitalistischen Konsens mehr. So gibt es zwar die „Antikapitalistische Linke“ und die „Kommunistische Plattform“, in der ich auch bis zuletzt Mitglied gewesen bin, jedoch kann ich nicht für eine Partei geradestehen, die größtenteils reformorientiert ist und lediglich das Bild einer besseren Sozialdemokratie abgibt. Auch wenn die Partei DIE LINKE. jetzt einen Programmentwurf vorgestellt hat, der zwar durchaus kapitalismuskritisch ist, wird sein kritischer Gehalt allerdings von den Reformisten und Opportunisten in der Partei stetig in Frage gestellt und aufgeweicht werden. Ich will mich nicht jeder Diskussion und jedem Meinungsstreit entziehen, aber ich kann und will mich nicht für eine Organisation krumm machen, die tatsächlich in Wesen und Praxis nicht einmal meine gröbsten Ziele teilt.

    Die Partei DIE LINKE. in Rheinland-Pfalz gibt dabei kein besseres Bild ab. Ihre Konfliktlinien verlaufen inhaltsleer zwischen „Nord“ und „Süd“ oder ganz unbestimmt zwischen Person A und Person B. Dieses Bild ist keineswegs zwecks Rufschädigung einfach erfunden. Ich habe es mir seit meinem Parteieintritt in die WASG, als Landesparteitagsdelegierter und bis heute als Stadtvorsitzender der Partei DIE LINKE. in Trier machen können. Es gibt nur einige wenige „Vernünftige“, die politik- und eben nicht machtorientierte Arbeit in der rheinland-pfälzischen Partei leisten. Auf der anderen Seite gibt es vor allem „machtgeile alte Männer“, die alles dafür tun, um Pöstchen und Posten zu erlangen und Andere für ihre Zwecke ausnutzen. Dies ist mir glücklicherweise noch nicht passiert, jedoch konnte ich dies schon mehrfach in der Partei beobachten. Eine politische Diskussion findet auf Landesebene nicht statt und wenn, wird sie durch Streitigkeiten und Intrigen vollkommen überschattet.

    Ich kann diese Partei nicht mehr aktiv unterstützen, da ich mich auf sämtlichen Ebenen stets rechtfertigen muss, was und warum alles im Argen liegt, anstatt mich mit ihr aufrichtig zu identifizieren.

    Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich durch meinen hier erklärten, jedoch wohl überlegten, Schritt alle meine Funktionen, das Landesparteitagsdelegiertenmandat der Partei DIE LINKE. RLP, meinen Sitz als Beisitzer im Kreisvorstand der Partei DIE LINKE. Trier-Saarburg, meinen Posten als Co-Stadtvorstandsvorsitzender der Partei DIE LINKE. Trier und meinen Posten als Mitglied des Sprecherrates der Linksjugend [’solid] Trier/Trier-Saarburg aufgebe. Das jedoch ist nur konsequent. Als selbstverständlich betrachte ich es auch, dass ich das eventuell auf mich zukommende Stadtratsmandat ablehne, da ich für die Partei DIE LINKE. angetreten bin und es als unfair gegenüber den Wählerinnen und Wählern sowie der Partei ansähe, dieses Mandat anzunehmen.

  3. Warum ich aus der Linksjugend [’solid] austrete ist im Zusammenhang mit meinem Parteiaustritt zu sehen, hat jedoch auch noch einen anderen Grund. So kann ich es, trotz kläglich gescheiterter Begründungen, nicht verstehen, warum der „Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom“, der für eine grenzenlose Solidarität mit den kapitalistischen Staaten Israel und den USA eintritt, in der Linksjugend [’solid] unter dem Vorwand des Pluralismus beherbergt wird, da er keineswegs die allgemeinen Grundsätze des politisch linken Spektrums verkörpert. Diese Gruppierung verstößt für mich gegen jegliche Vorstellung linker Positionen, und genauso wenig kann ich nachvollziehen, wie sektenähnliche trotzkistische Gruppierungen wie „der Funke“ oder die „SAV“ innerhalb der Linksjugend [’solid] noch geduldet werden.

    Auch wenn diese Einsicht verhältnismäßig spät kommt, bleibt für mich bloß festzuhalten, dass ich mich früher mit diesen Gruppierungen hätte auseinandersetzen sollen. Diese pseudolinken Gruppierungen finden von der Warte meiner marxistisch-antikapitalistischen Position weder Anklang noch Verständnis, sodass ich daraus keinerlei Notwendigkeit ableiten kann, gemeinsam mit ihnen aufzutreten oder zu arbeiten. Von meinem heutigen Standpunkt ist mir deshalb nicht mehr klar, wie ich einen solchen Jugendverband unterstützen konnte, in dem ich 2 Jahre als LandessprecherInnenratsmitglied in Rheinland-Pfalz gearbeitet und für den ich 2 Basisorganisationen in Bitburg-Prüm und Trier/Trier-Saarburg mitbegründet habe.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich einige Genossinnen und Genossen für die Partei und den Jugendverband geworben und gewonnen habe. Manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg. Bei diesen möchte ich mich hiermit entschuldigen. Ich möchte mich dafür entschuldigen, Euch zu etwas gebracht zu haben, was ich nach langem und gründlichem Abwägen selbst nicht mehr für richtig halte. Mein Austritt ist der für mich einzig richtige Schritt und ich bitte um Euer Verständnis für meine Entscheidung.

Speziell möchte ich nochmals Katrin Werner und Marc-Bernhard Gleißner danken, die meinen Entschluss nicht gutheißen und mich dennoch bis zum Ende, wo es nur ging, unterstützt haben. Ich wünsche ihnen viel Erfolg für ihre weitere politische Arbeit.

Ich habe auf meinem nun 6jährigen Weg in dieser Partei und ihrem Jugendverband nicht wenige Genossinnen und Genossen kennengelernt, mit denen ich mich immer gut verstanden habe, auch dann, wenn wir teilweise nicht immer einer Meinung waren. Auch diesen Partei- und Jugendverbandsmitgliedern wünsche ich alles Gute.

Ich kann nicht sagen, ob ich mich nochmal einer Partei anschließen werde. Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass ich weiterhin politisch aktiv bleiben und mich weiterhin mit ganzem Herzen antifaschistisch und antikapitalistisch engagieren werde.

gez. Konni (Konstantin) Kanty

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