Stilkritik: Aufstand im Trierer Stadtrat

Unter dem Titel „Aufstand im Trierer Stadtrat“ findet sich auf dem Blog „Roter Oktober – Aufstand in Trier“ ein Beitrag über die Proteste gegen den Einzug des NPDlers Safet Babic in den Trierer Stadtrat. In diesem Artikel finden sich nun zwei Formulierungen die – aus einer sich links und emanzipatorisch verstehenden Position – zu kritisieren sind:

Zum einen nennt der anonyme Autor etwa den NPD-Stadtrat als Safet „Babette“ Babic, wobei „Babette“ im weiteren Beitrag noch mehrmals als Synonym für Babic benutzt wird. Damit wird auf das Stereotype des „schwulen Nazis“ zurückgegriffen. Eine antihomosexuelle Diffamierung die schon die KPD in den 1930ern benutzte.

Zum anderen wird Babic vorgehalten „unter Missachtung der ‚deutschen‘ Pünktlichkeit“ zu spät gekommen zu sein. Das ist nicht nur wenig lustig, sondern versucht auch Babic an den „deutschen Tugenden“ vorzuführen – insbesondere verbunden mit dem Hinweis, das Safet Babic gebürtiger Bosnier ist, bekommt dies einen schlechten Beigeschmack. Wäre er pünktlich gekommen, wäre er also ein „guter/richtiger Deutscher“?

Außerdem wird eine Parole zitiert die den Nazis entgegen geschleudert wurde: „So sieht deutscher Inzest aus“. Auch dies ist problematisch, legt sie doch nahe, dass Nazis quasi ein kranker Teil des deutschen Volkskörpers seien. Treffend heißt es entsprechend in einem anderen Blog:

Man fragt sich tatsächlich, ob es an der geographischen Nähe zu Karlsruhe liegt, dass Treue zur demokratischen Verfassung und eugenische Sorge um die Volksgesundheit bei den Trierer Linken so ausgeprägt sind.

Auch wenn die hier kritisierten Aussagen, wohl vor allem auf mangelnde Reflektion und nicht auf ein bewußtes Wollen zurückzuführen sind, werden sie dadurch nicht besser. Linke die emanzipatorisch sein möchten, sollten auch beim Antifaschismus überlegen was sie tun und schreiben.

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6 Kommentare zu “Stilkritik: Aufstand im Trierer Stadtrat

  1. Dazu ein paar Kommentare:

    1) Nicht alles zu ernst nehmen. Einen gewissen ironischen Unterton sollte man vielleicht erkennen koennen (sorry, die oes und aes etc. sind auf diesem PC nicht auffindbar … ).

    2) War „Babette“ nicht als der Steretyp des „schwulen Nazis“ zu verstehen. Vielmehr soll damit Babic selbst in einer gewissen Weise „geaergert“ werden: da die faschistische Ideologie zutief sexistisch ist, moegen die maennlichen Maenner einer Ennpeedee es nicht, wenn sie mit Namen benannt werden, die als weiblich erachtet werden. Des weiteren ist es ein franzoesicher Name, der also den „Urfeind“ des „stolzen Deutschen“ repraesentiert. Duerfen wir etwa keine Nazis mehr aergern?
    Hinzu kommt, dass der Name eine lustige Fusion von „Safet“ und „Babic“ darstellt. Hihi.

    3) Die „deutsche Unpuenktlichkeit“ ist ironisch gemeint. Wer das nicht versteht, soll sich in die Ecke setzen, und zwar ohne Schokomilch.

    4) Das mit dem deutschen Inzest war halt eine Parole, die gerufen wurde. Soll ich jetzt behaupten, die waere nie gerufen worden?

    5) Da hilft nur: solche Dinge immer mit einem kleinen Augenzwinkern lesen und nicht alles fuer bare Muenze nehmen.

    Bleib Gangsta.

  2. Mensch Red, das musst du doch hier nicht erklären als wären wir Idioten, das ist doch jedem klar wie dus gemeint hast…

    Deine Ausführungen sind halt ob ironisch oder nicht eben einfach nicht emanzipatorisch. Du verfestigst Stereotype damit, dass du sie zitierst, könnte man auch sagen und übersiehst die Implikationen deiner Witzchen. Die Art und Weise ihn anzugreifen sollte sich eben an einer linken und progressiven Denkweise orientieren.
    Ich finds jetzt nicht schlimm, wie dus gemacht hast, aber eben einfach überdenkenswert.
    Da hilft nur: solche Dinge immer mit etwas mehr Kritikfähigkeit lesen und sich selbst nicht für unangreifbar nehmen.

  3. Ich finde da hat die Frau Honeyblossom durchaus recht. Wo kämen wir denn hin wenn gleich jeder eingeschnappt auf (solidarische) kritik reagiert und sofort in die abwehrstellung geht. ehrlich gesagt hab ich beim verfassen unseres pamphlets einige dinge auch nicht gesehen, die ich jetzt gerne ändern würde. allerdings fehlt mir dazu noch der konsens, deswegen muss ich warten.
    (ich bitte darum zu registrieren, dass ich die floskel „wo kämen wir denn dahin“ in dieses kommentar übernommen habe. das ist mein erster akt in der übernahme reaktionärer redewendungen für progressive und emanzipatorische zwecke. als nächstes möchte ich die floskel „solange zu deine füße unter meinen tisch stellst“ stehlen. wem dazu ein emanzipatorischer kontext einfällt soll sich bitte bei mir melden. reclaim your language!)

  4. Was bitte ist homophob/antihomosexuell daran jemand männlichen Geschlechts einen weiblichen Namen zu verpassen. Ist es homophob wenn ich meine freundin herbert nenne?

    Über die Sinnhaftigkeit kann mensch ja streiten, aber homophob

  5. Ist ja ein Unterschied, ob du deine Freundin damit ärgern willst oder nicht. Gehn wir davon aus, dass Red den S.B. nicht liebevoll Babette nennt sondern um ihn zu provozieren, muss er selbst ja etwas implizieren, ziemlich offensichtlich ja das Ankratzen dessen männlichen Stolzes. Wäre es vollkommen in Ordnung Geschlechterrollen durcheinander zu würfeln, wäre es niemals in Erwägung gezogen worden S.B. so zu nennen. Das heißt wir profitieren hier von einem gesellschaftlichen Sexismus, den wir auf S.B. zurückwerfen, anstatt ihn zu untergraben. Unemanzipatorisch eben.
    Aber wie gesagt, sind wir da ja in dasselbe Fettnäpfchen getreten…

  6. Pingback: Lieber Infoladen Trier, « Eintagsflieges Blog

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