Die Tiere und die Macht

Fast jeder hat gehört, wie der neue amerikanische Präsident Obama seinen Töchtern am Wahlabend einen Welpen versprach. Viele Züchter weltweit haben daraufhin bereits ihre Hilfe angeboten, einen nicht-haarenden, ebenso kinderlieben wie pflegeleichten, politisch korrekten Hund (Reinrassig vs. Mischling) zu spenden. So bot ein „peruanischer Hundeverein  den Obamas einen vier Monate alten Welpen ohne Fell an, der einer mehr als 2000 Jahre alten Rasse angehört“ (WZ).

Die Entscheidung ist nicht einfach, schliesslich ist Obama der oberste, und der einzig direkt von allen gewählte Repräsentant der Amerikaner. Entsprechend ist der „first dog“ auch ein von allen wahrgenommenes und diskutiertes nationales Symbol. Eine Sprecherin des amerikanischen Hundezüchtervereins gab, befragt nach Sinn und Zweck eines präsidentialen Hundes, zu Protokoll:

„Weil Hunde eine entspannende Wirkung auf den Menschen haben. In Zeiten der Rezession und wegen des Drucks, den das Amt mit sich bringt, ist es auch für den ersten Mann im Staat wichtig, wenigstens einen Untergebenen zu haben, der nicht laufend über ihn urteilt“

Bereits bevor Obama überhapt gewählt wurde, hat eine Umfrage des American Kennel Club unter 42.000 Wählern ermittelt, welcher Hund ihrer Meinung nach ins Weisse Haus soll. Am Ende der siebenwöchigen Abstimmung lag der Pudel eine Schnauzenlänge vor dem unbekannteren Irischen Terrier (Soft coated Irish Terrier). Für den Präsidentschaftsanwärter der Republikaner John McCain gab es hingegen keine Umfrage: Er habe bereits 24 Haustiere, darunter seien auch vier Hunde, hieß es in der Erklärung des Hundeclubs.

In der Tat ist das Haustier unter US-Präsidenten eine ehrwürdige Tradition. So hat George W. Bush gleich drei Haustiere mit ins Oval Office gebracht, und zwar die schottischen Terrier „Barney“ und „Miss Beazley“ und die Katze „India“. Das Weisse Haus hat ihnen zu Ehren sogar eine eigene Filmreihe veröffentlicht. Unter dem Titel „Barney-Cam“ wird hier jedes Jahr, unter Mitwirkung der ganzen Regierung, eine Kurzgeschichte über Barneys Weihnachstabenteuer gezeigt. An dieses grossartige Niveau von Humor einerseits, von absoluter cuteness andererseits, muss Obama erst einmal wieder herankommen.

Generell hat die Bush Familie ihren Tieren eine wichtige Stellung eingeräumt, und dabei auch vor leicht exzentrischen Auftritten nicht gezögert. So wurden die drei Lieblinge einmal anlässlich von Halloween verkleidet: die Katze India als Zauberer, inkl. Hut, die Hunde als „Erdbeere“ (!) und „Cowboy“.

Die englischsprachige Wikipedia führt sogar einen eigenen Artikel „List of United States Presidential Pets„, der bis zurück zu George Washington Aufschluss gibt über die ersten Haustiere der Nation. Bereits Bush Vorgänger Clinton hatte, neben der von ihren Presseauftritten recht bekannten Katze „Socks,“ einen braunen Labrador namens „Buddy“. Oftmals haben die Haustiere eigene Email-Addressen und eigene Angestellte, um eingehende Korrespondenz zu beantworten.

Die höchste animalische Stellung im Lande bleibt nicht zwingend Hunden vorbehalten. In England gibt es die Institution des „Chief Mouser to the Cabinet Office“ –  so der inoffizielle Name für die in Downing Street 10 wohnende Katze, die das Haus des Premierministers mäusefrei hält. Solche Katzen werden vom Staat angestellt, und sind somit nicht Privatbesitz sondern öffentliche Bedienstete. Bereits 1929 genehmigte der Schatzmeister das Budget „towards the maintenance of an efficient cat“. Gegenwärtig lebt dort eine schwarz-weisse Katze namens „Sybil“.  Ob sie, als demokratisch angestellte Katze,  je mit der königlichen Hundeflotte von stummelbeinigen Corgis aneinandergeraten ist, oder ob sie im Sinne der Gewaltenteilung sharon3einträchtig koexistieren, ist ungeklärt.

Der ehemalige israelische Premierminister Ariel Sharon war dagegen ein sehr bodenständiger Mann. Als gelernter Farmer waren seine Schaf- und Rinderherden sein ganzer Stolz, den er prominenten ausländischen Besuchern, wie beispielsweise der amerikanischen Aussenministerin Rice, gern mal auch persönlich auf der Weide vorführte.

Historischere Bekanntheit erlangte daneben auch der Hund von Präsident Franklin D. Roosevelt, Fala (was eine Abkürzung für Murray the Outlaw of Falahill ist). Fala begleitete sein Herrchen auf nahezu alle Reisen, und war wohl der erste Präsidenten-Hund, für dessen Fanpost eine eigene Sekretärin eingestellt werden musste. Eine niedliche Skulptur des Hundes gehört noch heute zum Franklin Delano Roosevelt Memorial.

Auch hier zeigt sich der durchaus politische Charakter des Schosstieres. So darf man wohl sagen, dass Fala erheblich süsser und freundlicher war, als der Hund von Roosevelts glücklicherweise unterlegenem weltpolitischem Gegner, Adolf Hitler. Des Führers Tierliebe und seine Beziehung zu Blondie, einer sogenannten „germanischen Urhündin“, die später angeblich einen Nachwuchs namens „Wolf“ bekam, sind aber in Deutschland ein stets gern gesehenes Thema.

Bereits der 1932 vom Leibfotographen Hitlers Heinrich Hoffmann herausgegebene Fotoband „Hitler wie ihn keiner kennt“ zeigt als Deckblatt des Schutzumschlages Hitler mit Schäferhund in den Bergen.

Und als am 1945  Soldaten des 79. Infanterie-Korps der Roten Armee die Reichskanzlei stürmten, fanden sie in einem Bombenkrater die stark verkohlten Überreste von Adolf Hitler, Eva Braun und zwei Schäferhunden.

Diktatoren halten sich sowieso seit jeher mit Vorliebe kämpferische, räuberische Tiere, um ihre eigene Stärke und Kühnheit zu unterstreichen:  Wladimir Putin etwa hat jüngst zum Geburtstag einen Tiger geschenkt gekriegt, womit er definitv alle anderen toppt.

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