Über das Elend im Studentenmilieu

„Mehr als 600 Studierende trugen am Donnerstagabend ihren Protest von der Tarforster Höhe ins Trierer Tal: In einem Trauerzug zogen sie vom Viehmarkt über den Hauptmarkt zur Porta Nigra und wieder zurück zum Kornmarkt: Viele hielten flackernde Grablichter in ihren Händen, manche hatten ihr Gesicht weiß gefärbt. Im Hintergrund läutete das Totenglöckchen. An der Spitze der Demonstration schritt ein Student im dunklen Gewand, in den Händen einen Kranz mit schwarzer Schleife. Gleich darauf folgte eine Sarg-Attrappe samt Trägern. Auf dem Kornmarkt fand die Bildung, oder zumindest das, was nach Ansicht der Demonstranten noch von ihr übrig ist, ihre letzte Ruhe..“ (Winter 2008, Bericht auf 16vor.de)

gegen

„Da für ihn noch einige Krümel vom Prestige der Universität abfallen, freut sich der Student immer noch, Student zu sein. Zu spät. Der mechanisierte und spezialisierte Unterricht, den er empfängt, ist ebenso heruntergekommen (im Verhältnis zum früheren Niveau bürgerlicher Allgemeinbildung) wie sein eigenes intellektuelles Niveau im Augenblick seines Studienantritts, aus der einzigen Tatsache heraus, daß das alles beherrschende ökonomische System die Massenhestellung ungebildeter und zum Denken unfähiger Studenten verlangt. Der Student ignoriert, daß die Universität zu einer – institutionalisierten – Organisation des Unwissens geworden ist, daß die „hohe Kultur“ selbst sich im selben Tempo wie die Serienproduktion von Professoren auflöst, daß alle Professoren Kretins sind, von denen die meisten sich vor jedweder Gymnasialklasse blamieren würden. Er hört seine Lehrer auch weiterhin mit Respekt, mit dem bewußten Willen, jeden kritischen Geist aufzugeben, um sich besser mit den anderen in der mystischen Illusion einig zu fühlen, „Student“ geworden zu sein, jemand, der sich ernsthaft damit beschäftigt, sich ein ernsthaftes Wesen in der Hoffnung anzueignen, man werde ihm auch die letzten Wahrheiten anvertrauen. Das sind die Wechseljahre des Geistes. Alles, was sich heute in den Amphitheatern der Schulen und Fakultäten abspielt, wird in der zukünftigen revolutionären Gesellschaft als gesellschaftlich schädlicher Lärm verurteilt. Schon jetzt bringt der Student alle zum Lachen“ (1966, Situationistische Internationale)

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