Bundesweites Burschenschaftlertreffen in Trier

Vom 2ten bis zum 6ten Juni findet an der Universität Trier eine recht merkwürdige Veranstaltungsreihe statt; konservative junge Männer und alte Herrn wollen dort mit ewiggestrigen Parolen auf Rattenfang für ihre menschenverachtende Ideologie gehen und sich leichtgläubigen, verunsicherten Studierenden als Alternative anbieten. Raffiniert wird dabei unter dem Deckmantel von „Rücksichtnahme und Toleranz“ ein Frontalangriff auf die Errungenschaften von Gleichberechtigung und Aufklärung gestartet.

Die Rede ist nicht von der Burschenschaft Germania Trier, sondern von der sogenannten „Islam-Woche Trier„. Die Veranstalter wollen, vermeintlich natürlich nur im Dienste des Dialogs, über die „Wahrheiten des Islam“ berichten und Missverständnissen vorbeugen indem sie den Islam „so präsentieren wie er tatsächlich ist„. Man darf sich allerdings wundern, was damit gemeint sei; sind doch die Muslime, das dürfte auch Ungläubigen bekannt sein, sich sehr uneinig über den „wahren“ Islam. Schiiten, die den Sunniten vorwerfen den Koran gefälscht zu haben, sind nur ein Beispiel. Die Frage stellt sich also, was damit bezweckt werden soll, unter dem Label des religiösen Dialogs an der Uni Vorträge zu halten über „die“ islamische Botschaft?

Schaut man sich dann die angekündigten Referenten genauer an, so wird recht schnell klar dass keineswegs ein aufklärerischer Dialog auf dem Programm steht, sondern hier eine ganz spezifische strenggläubige und reaktionäre Variante als „der wahre“ Islam verkauft werden soll. Die Referenten sind aktive Prediger, die sich, wie der Konvertit Pierre Vogel, dank ihrer Deutschkenntnise und rhetorischen Fähigkeiten auf die Missionierung unter deutschen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund spezialisiert haben. Vogel, der bei seinen Veranstaltungen darauf besteht dass Männer und Frauen getrennt sitzen, weiss um die Unfehlbarkeit des Korans gegenüber Juden und Christen und überhaupt: „Man sagt, es gibt einen allmächtigen Gott, und der schickt ein Buch, dann muss das Buch von dem allmächtigen Gott, wenn es nicht verändert worden ist, doch richtig sein„. Zweifel, Ambivalenzen oder etwa liberale, reformerische Muslime werden hier kaum zu Wort kommen. Stattdessen soll in einem anderen Vortrag dargelegt werden warum „das Verständnis von Frömmigkeit im Islam nicht nur Gebet und Fasten“ umfasst, sondern „den ganzen Tagesablauf“ beherrschen soll.

Die angekündigten Referenten sind durchaus prominent; Dr. Hassan Dabbagh aus Leibzig erlangte einige Berühmtheit als er sich, als Gast in politisch korrekte Talkrunden wie „Maischberger“ eingeladen, weigerte Frauen die Hand zu geben. Eine Praxis, die er an anderer Stelle damit begründete dass es nach dem Koran für einen „Mann besser sei, ein Stück Eisen in den Kopf geschlagen zu bekommen, als eine fremde Frau anzufassen„. Damit steht er nicht alleine, auch die anderen Referenten vertreten die Ansicht, Männer dürften sich nicht rasieren, Frauen gehörten schnellstmöglichst verheiratet, Homosexualität verboten und überhaupt sei der Islam, so wie sie ihn predigen, das einzige Mittel um der Sünde und ewiger Bestrafung zu entkommen.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass unter dem Ticket des Dialogs hier eine reine Werbeveranstaltung von missionierenden radikalen Predigern abgehalten werden soll. Natürlich sind diese Leute keine Djihadisten, laufen auch nicht mit Teppichmessern umher und verüben Ehrenmorde o.ä.. Dafür sind sie zu klug; es sind zwar widerliche Eiferer, aber zugleich gebildete Intellektuelle, die sich jeder Diskussion stellen – weil sie jedes Forum nutzen wollen, das sich ihnen bietet. Schade, dass nun auch die Universität und der AStA, die ansonsten – ganz zurecht – Sexismus, Homophobie und rechte Rattenfänger an der Uni bekämpfen, hier offensichtlich mitmachen oder zumindest in aller Stille die Augen verschliessen.

Da man hier offensichtlich der Ansicht ist, Dialog der Religionen würde die Kritik der Religion erübrigen, sei darauf hingwiesen dass vom 31.5 – 1.6 in Köln unter dem Motto „Aufklären statt verschleiern“ eine „Kritische Islamkonferenz“ stattfinden. Dort kommen unter anderem eine ganze Reihe von Ex-Muslim(Inn)en zu Wort, also Apostaten, die nach Überzeugung der Salafisten an der Trierer Uni wohl ewige Verdammnis verdient haben.

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9 Kommentare zu “Bundesweites Burschenschaftlertreffen in Trier

  1. Inzwischen hat der AStA seine Raumreservierungen für die Räume zurückgezogen und da die Universität den Veranstaltern der Islamwoche die – jetzt freien – Räume nicht zur Verfügung zu stellen gewillt scheint, scheint es so als würden die Vorträge ausfallen.

  2. Als der AStA die Raumreservierung übernahm, versicherten die Veranstalter ihm, es handele sich um eine Veranstaltungswoche zum Dialog mit dem Islam, zur Integration, zur Diskussion etc. Nun, da sich offenbart hat, dass dies nicht zutrifft, wurde die Raumreservierung wieder zurück genommen.

  3. Dieser Text ist ja ganz schön geschrieben usw.
    Aber was soll bitte dieses Bild?
    Ich denke das ist nicht fair gegenüber nicht-radikalen Moslems. Oder spiegelt sich darin eine allgemeine Abneigung gegen den Islam? Meiner Meinung nach völlig unpassend.

  4. Gestern wurde ein Rundschreiben des Präsidenten per Mail verbreitet, indem die Absage mit dem Verdacht auf verfassungsfeindliche Inhalte begründet wird. Was Du beschreibst, scheint dafür m.E. nicht auszureichen. Kann dazu eine/r was sagen?

  5. Welche Erkenntnisse über verfassungsfeindliche Bestrebungen der Präsident im Genauen hat, weiss ich nicht; im Internet findet man aber zB. den Leipziger Referenten beim VS BW erwähnt (http://www.verfassungsschutz-bw.de/kgi/files/kgi_islam_brd_2006_05.htm); auch der im Artikel verlinkte SPON-Artikel berichtet über dessen Beobachtung durch den VS. Ob das ausreicht um die Genehmigung zu verweigern, ist wohl Erwägungssache des Präsidenten.

    Letzlich sollte aber, so sehe ich das zumindest, auch eigentlich weniger die sicherheitspolitische Einschätzung des VS der Massstab sein. Wenn solche Veranstaltungen irgendwo in der Stadt stattfinden, ist das in meinen Augen zwar immer noch Quatsch, trotzdem durchaus von Meinungsfreiheit gedeckt, und eine Sache mit der eine offene Gesellschaft zurechtkommen muss. Die Frage ist aber, ob gerade die Universität, als öffentlicher Raum der Forschungsfreiheit und der unvoreingenommenen Diskussion, Dogmatismus und wissenschaftsfeindliche religiöse Predigt dulden und sie dadurch in gewissem Sinne noch intellektuell adeln muss.

  6. Pingback: Xpofs Blog - Abgesagte Islamwoche

  7. hallo erstmal

    ich wrde gerne mal was zu diesem bild mit unserem propheten sagen

    ich finde das nicht korrekt
    auf gut deutsch :

    was soll der schei eigentlich?
    wenn moslems wegen solchen sachen aggressiv werden, werden sie direkt als terroristen abgestempelt!

    ich wnsche dem, der dieses bild reingestellt hat die aller schlimmsten sachen was einem mensch passieren kann
    und bitte gott um eine bestrafung fr diese person!

    ich hoffe du wirst aus deinen fehlern lernen!

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