Medienmacht und Widerspruchserfahrung

Wer in Trier studiert und irgendwie politisch „links“ ist, dem dürfte Bernd Hamm sicherlich ein Begriff sein. Als Inhaber des Lehrstuhls für Siedlungs- Umwelt- und Planungs-Soziologie ist Herr Hamm seit vielen Jahren eine Institution in Studiengängen von Pädagogik über Geographie bis VWL. Da er freundlich ist, sowie zuverlässig in mindestens einer Sitzung seiner Vorlesungen einen Film vorführt, ist er durchaus beliebt beim studentischen Publikum, nicht zuletzt wohl auch wegen seiner kritische Einstellung gegenüber Globalisierung, Kapitalismus und Wissenschaftsmainstream.

In letzter Zeit wagt Herr Hamm sich zunehmend auf Themengebiete vor, die nicht unbedingt zu seinen fachlichen Kernfragen gehören, beispielsweise „Kulturimperialismus“ oder die Frage „Werden die USA den Iran angreifen?„. Anscheinend möchte von den etablierten Verlagen keiner mehr die entsprechenden Werke veröffentlichen, weshalb Herr Hamm seit einigen Jahren im Berliner Kai-Homilius-Verlag publiziert. Letzterer allerdings schaltet trotz eines „linken“ Selbstverständnis allerdings schon mal Anzeigen in der neurechten Zeitschrift „Junge Freiheit“, und auf Platz 1 der Verlags-„Bestseller“ wird ein eher fragwürdiges Werk mit dem Titel „Zionismus und Faschismus – Über die unheimliche Zusammenarbeit von Faschisten und Zionisten“ beworben.

In der letzten Jungle-World war nun eine Sammelband-Rezension zu lesen, in der man überraschend wieder auf den Namen Hamm stiess. Unlängst hatte dieser auf einem Kongress zu linker Medienkritik einen Vortrag gehalten, der in besagtem Buch veröffentlicht wurde. Der Autor der Jungle-World hat aber offensichtlich wenig Gefallen daran gefunden:

Schon im Vorwort ist vom »Medienapparat«, den »Manipulationsapparaten«, den »Sprachregelungen« und der »Propaganda« die Rede, die einer »geistigen Formierung« dienten, indes der Bevölkerung die »Übernahme herrschaftskonformer Interpretationsschablonen« beschei­nigt wird. Kurz gesagt: Ein universeller Kai Diekmann kontrolliert sämtliche Fernsehsender, Radiostationen und Zeitungen und verblödet mal eben 80 Millionen Menschen

Welcher Art aber sind die Informationen, die dieser völlig hilflosen und ahnungslosen Öffent­lichkeit vorenthalten werden? Das Geheimnis lüftet Bernd Hamm, Professor für Siedlungs-, Umwelt- und Planungssoziologie an der Universität Trier. Er stellt seinem Traktat ein Zitat von Joseph Goebbels voran: »Die Wahrheit ist der Todfeind der Lüge, und daher ist die Wahrheit der größte Feind des Staates.« Dann fragt er: »Was ist am 11. September 2001 in New York, Washington und Shanksville wirklich geschehen?« Der Spiegel etwa beharre »gegen erheb­liche Evidenz auf der offiziellen Erklärung der Angriffe des 11. September«. Außerdem wundert sich Hamm: »Wie kommt es, dass unsere Medien weiterhin selbstverständlich von ›Präsident Bush‹ reden, obgleich inzwischen ausreichend Beweise dafür vorliegen, dass die Wahlen von 2000 und 2004 gefälscht worden sind?« Ereignisse, über die nur manipulierte Berichte existieren, kennt Hamm zuhauf: Von Pearl Harbor über den Golf von Tongking reichen sie bis zum »Angriff der israelischen Luftwaffe auf den Libanon« und zu den »iranischen Atomwaffen«.

Kein Wunder, dass in Hamms Welt der »neo­liberalen Offensive«, die geprägt ist von »Medienökonomie«, »Medienkonzentration« und die von der »Medienindustrie« vollständig kontrolliert wird, der arabische Frontsender al-Jazeera als »unabhängige Nachrichtenquelle« durchgeht – als ein Paradebeispiel für Gegenöffentlichkeit sozusagen.

Ein eigenes Bild machen kann man sich in:

Medienmacht und Widerspruchserfahrung„, herausgegeben von Peter Bathke, Hermann Kopp und Werner Seppmann, 153 S., PAHL-RUGENSTEIN, 12,90 Euro

In diesem Zusammenhang sei nochmal erinnert an den Vortrag „Entschwörungstheorie – Niemand regiert die Welt„, den der Autor Daniel Kulla Anfang des Jahres im Infoladen Trier hielt. Wer den Vortrag verpasste, dem sei empfohlen das gleichnamige Buch zu kaufen, oder hier einen MP3-Mitschnitt des Vortrages an anderer Stelle runterladen. Auch Kulla beschäftigte sich mit Verschwörungen, aber aus anderer Perspektive:

„Ist über Verschwörungstheorien nicht längst alles gesagt worden? Liegen denn nicht überall Bücher in den Auslagen der Geschäfte, die uns erklären, wie Verschwörungstheorien funktionieren?

Nun ja, beantworten diese Bücher die wohl wichtigste Frage, warum welche Verschwörungstheorien unter welchen Bedingungen geglaubt werden? Oder erklären sie lediglich, wie die Verschwörungstheorien aussehen, während auf dem Umschlag groß die Worte “Freimaurer” und “Illuminaten” prangen?

Und was für Bücher liegen drumherum? Bücher von Noam Chomsky vielleicht, in denen es um die “Media Control” geht? Sehen Sie dort ein Stück weiter das Zeitschriftenregal, von dem aus Enthüllungen über das “Schattenreich der CIA” versprochen werden? …

Ich möchte die liebgewonnene Gewißheit erschüttern, daß wir es mit einem Randphänomen zu tun haben, und mich im Folgenden vor allem der Vermittlung des Verschwörungsdenkens in die Gesellschaft widmen …“

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