Noch mehr Marx

Marx ist in. Anlässlich seines 125ten Todestages wird der alte bärtige Kritiker ausgiebig gefleddert. So berichtet die ARD über ein Projekt des Namenvetters, leidenschaftlichen Motorradfahrers und ehemaligen Trierer Bischof Reinhard Marx, der ebenfalls ein Buch mit Titel „Das Kapital“ veröffentlichen möchte. Darin sollen, so die ARD, die „angestaubten Ansichten seines Namensvetters für das Zeitalter des Heuschreckenkapitalismus“ aufgemöbelt und mit katholischen Thesen angereichert werden. Denn, so heisst es weiter, „Karl Marx ist zwar tot„, doch seine Ideen seien lebendig, „zum Beispiel wenn auf Managergehälter geschimpft wird„.

Nun ist zwar die marxsche Kritik der Ökonomie doch was anderes als das Schimpfen gegen amerikanische Heuschrecken und ungerechte Löhne („Behaupten die Bourgeois nicht, daß die heutige Verteilung „gerecht“ ist? Und ist sie in der Tat nicht die einzige „gerechte“ Verteilung auf Grundlage der heutigen Produktionsweise? Werden die ökonomischen Verhältnisse durch Rechtsbegriffe geregelt, oder entspringen nicht umgekehrt die Rechtsverhältnisse aus den ökonomischen?“ Kritik des Gothaer Programms). So genau will man es dann auch nicht nehmen. Immerhin dürfte der katholische Bischof Marx durchaus sachkompetent sein, die „theologischen Mucken“ des Warenfetischs zu durchschauen und zudem „das Christentum mit seinem Kultus des abstrakten Menschen, namentlich in seiner bürgerlichen Entwicklung, dem Protestantismus„, als die dem Kapital „entsprechendste Religionsform“ zu denunzieren …

Und wer damit immer noch nicht genug Marx hat, darf ab heute ein weiteres grosses Marx-Spektakel bewundern. In dem rechtzeitig zum Todestag erschienen FilmKarl Marx – Ein Philosoph macht Geschichte“ werden endlich weltbewegende Fragen wie „Wer war dieser Mann? Was hat ihn getrieben? Was hat er gewollt? Wie wurde aus dem Studenten, der einer jungen Adligen romantische Gedichte schrieb, einer der umstrittensten Menschen der Weltgeschichte?“ aufbereitet. Dazu werden hochkarätige Interviewpartner aufgeboten, von diversen SPD-Vorsitzenden über Hans Modrow bis zum DDR-Dissidenten. Damit das ganze aber nicht allzu trocken wird, wurden zudem historische Szenen dokumentarisch nachgestellt. Freuen darf man sich dabei insbesondere auf die Hauptrolle, wird doch Karl Marx von niemand geringeren gespielt als von Helmut Leyendecker. Machte letzterer bisher eher als Blasmusikant fuer Hymnen wie „Trier gett de Hauptstadt von Europa“ und Mundart-Comedy im Lokalfernsehen auf sich aufmerksam, so interpretiert er nun den Marx als gutgekleideten geheimnisvollen Visionär. Viel Freude also.

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