05.07. – Vortrag “80 Jahre Antifaschistische Aktion” @ Trier

2013-07-05_80_Jahre_Antifaschistische_Aktion_FlyerAm Freitag, den 5. Juli 2013, findet ab 18 Uhr der Vortrag “80 Jahre Antifaschistische Aktion” im Multikulturellen Zentrum Trier (Balduinstr. 6) statt. Durchgeführt wird die Veranstaltung von der Autonomen Antifa Trier in Kooperation mit dem Referat für Antirassismus und Antifaschismus des AStA der Uni Trier.

Wer an einer Aktion gegen Nazis teilnimmt oder sich mit der heutigen undogmatisch-linksradikalen Bewegung in der BRD beschäftigt, wird unweigerlich auf das Symbol der Antifaschistischen Aktion stoßen. Die rote und schwarze Fahne im Kreis ist hier in den letzten 25 Jahren zu einem der weitverbreitetsten Symbole geworden, das zumindest irgendwie für militante antifaschistische und revolutionäre Politik steht.

Sein Ursprung reicht zurück bis ins Jahr 1932, als am 10. Juli auf Initiative der KPD die historische Antifaschistische Aktion gegründet wurde, die den gemeinsamen Kampf aller linken Kräfte gegen den bedrohlich erstarkenden Nationalsozialismus propagierte, der ein halbes Jahr später an die Macht gelangen sollte.

Bernd Langer aus Berlin, Autor der kürzlich veröffentlichten Broschüre “80 Jahre Antifaschistische Aktion”, der Anfang der 1990er als Aktivist der Göttinger Autonomen Antifa (M) maßgeblich an den Organisierungsdebatten der gegenwärtigen Antifa-Bewegung beteiligt gewesen ist und als Teil des Kollektivs Kunst und Kampf ihre Ästhetik mitgeprägt hat, wird inhaltliche und strategische Kontinuitäten und Brüche der Antifa-Bewegungen in Deutschland von der Weimarer Republik bis heute nachzeichnen. Im Anschluss wird Platz für Nachfragen und Diskussion sein.

08.06. – Demonstration “Für Grenzenlose Menschenrechte” @Trier

Am 8. Juni 2013 veranstaltet das Multikulturelle Zentrum eine Demonstration unter dem Motto Für Grenzenlose Menschenrechte – Free Movement And The Right To Stay For Everybody”
in Trier. Die Demo startet um 14 Uhr an der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Dasbachstraße 19, Trier) und führt von da zum Hauptmarkt. Wir dokumentieren im Folgenden den Aufruf der Autonomen Antifa Trier zur Demo:

the future is unwritten. Globale Bewegungsfreiheit ermöglichen – Kapitalismus überwinden

Vor 20 Jahren beschlossen CDU/CSU und SPD den Asylkompromiss und damit die faktische Abschaffung des Asylrechts in Deutschland. Dies geschah als Reaktion auf die bundesweiten Pogrome von Nazis und Bürger_innen die sich in der Wiederbelebung der Volksgemeinschaft gegen Asylbewerber_innen gerichtet hat. So geschehen zum Beispiel in Rostock-Lichtenhagen, wo 1992 vier Tage lang Nazis unter Beifall und mit tatkräftiger Unterstützung der Anwohner_innen gegen ein Asylbewerber_innenheim randalierten und es schließlich in Brand steckten – die Polizei griff nicht ein. Nur durch Glück gab es bei diesen Ausschreitungen keine Toten. Ein anderes Beispiel ist Solingen, wo bei einem Brandanschlag auf das Haus der Familie Genç im Jahre 1993 fünf Menschen starben und mehrere schwer verletzt wurden.
Statt daraufhin gegen den Rassismus der sogenannten Mitte der Gesellschaft vorzugehen, wurde in der öffentlichen Diskussion eine „Asylantenflut“ als Naturkatastrophe konstruiert, die letztlich der Legitimation der faktischen Abschaffung des Asylrechts diente. Schuld an den Pogromen war also, nach gängigem Diskurs, nicht der deutsche Mob samt seinem Rassismus und Nationalismus, sondern die Asylbewerber_innen, die folglich verschwinden sollten. Deutsche Opfer-Täter-Verkehrung reloaded.
Heute, 20 Jahre später sieht es nicht besser aus. Die Grenzen Europas werden abgeschottet und tausende Flüchtlinge sterben bei dem Versuch und in der Hoffnung ein besseres Leben zu erreichen. Schaffen sie es trotz aller Schikanen nach Europa, werden sie mit Drittstaatenregelung, Residenzpflicht, Arbeitsverboten, Bürokratie und durch die Polizei mürbe gemacht. Asylanträge werden nur in etwa 1% der Fälle als berechtigt anerkannt. Die große Mehrheit erwartet hier also im besten Falle eine vorübergehende Duldung, im schlimmsten ein Leben in Illegalität oder Abschiebung zurück in noch größeres Elend.

Es wäre jedoch falsch diese Entwicklungen allein auf Nationalismus und Rassismus der deutschen Gesellschaft zurückzuführen. Diese dienen zwar als ideologischer Kit um den Laden zusammen zu halten und die Maßnahmen zu legitimieren, können jedoch nicht als Ursache der Abschottung gesehen werden. Die ist vielmehr in der Logik der warenproduzierenden, kapitalistischen Gesellschaft zu suchen, in der der Profit der Zweck der Produktion und die Menschen nur die Mittel dazu sind. Im Vordergrund steht hier die Verwertung des Kapitals – aus Geld mehr Geld zu machen. Die Produktion von Waren, die der Lebenserhaltung der Menschen dienen ist dabei nur ein Anhängsel, das dem Zweck der Verwertung untergeordnet ist. Eine solche Gesellschaft produziert notwendigerweise Arbeitslosigkeit, Armut und Ausschluss. Denn in ihr sind nur diejenigen etwas wert, die im Sinne der Verwertung gebraucht werden. Die „Festung Europa“ ist nur in diesem Zusammenhang zu verstehen, denn sie ist die Abschottung gegen die Menschen, deren Lebensgrundlage durch den westlichen Kapitalismus entzogen wird. Der Kapitalismus produziert auf der ganzen Welt soziale und politische Katastrophen und muss sich gleichzeitig von den dadurch hervorgebrachten Flüchtlingsbewegungen abschotten, um weiter existieren zu können. Erwünscht sind daher lediglich „hochqualifizierte“ Arbeiter_innen, alle anderen werden ausgeschlossen.

In Zeiten der Krise, die inzwischen zum Normalzustand geworden zu sein scheint, steht die radikale Linke in Deutschland ratlos vor der sozialen Katastrophe, die sich gerade in den südlichen Ländern Europas ereignet. Massenarbeitslosigkeit und extreme Kürzungen bei sozialen Leistungen sind nur zwei Beispiele, die vor allem die Gesellschaft in Griechenland zerstören und zu einem enormen Anstieg der Selbstmordraten und Depressionserkrankungen geführt haben.
Die Identifikation mit der Nation und ihren Zielen scheint hierzulande noch zu sehr verankert, als dass eine soziale Bewegung möglich ist, die sich durch grenzübergreifende, antinationale Solidarität auszeichnet. Stattdessen grassieren weiter Ressentiments wie das von den „faulen Griechen“, die das hart verdiente deutsche Geld verschwenden.
In dieser Situation bleibt der radikalen Linken nur wenig Handlungsspielraum. Interventionen in bestehende Kämpfe und ihre Erweiterung durch eine Kritik, die auf die ökonomische Basis der Gesellschaft zielt, scheint uns dabei eine Option. Diese Kritik wollen wir sichtbar machen und den nationalen Konsens zumindest für eine kurze Zeit zu brechen. Autoritären Krisenlösungsmodellen in all ihren Facetten, von Austeritätspolitik und der Hegemonie Deutschlands in Europa bis hin zu separatistischen und völkischen Bewegungen, soll dadurch etwas entgegensetzt werden. Deswegen rufen wir zur Teilnahme an der Demonstration für globale Bewegungsfreiheit und Bleiberecht auf. Jedoch nicht ohne darauf zu verweisen, dass diese Forderungen nur erreicht werden können, wenn wir diese Gesellschaft anders organisieren. Daher haben wir uns dazu entschieden unter eigenem Motto und Aufruf zu mobilisieren.

Wir wollen die vorhandenen Ressourcen an Naturstoffen, Betriebsmitteln und nicht zuletzt menschlichen Fähigkeiten so einsetzen, dass allen Menschen ein gutes, genussvolles Leben frei von Armut und Hunger gewährleistet wird. Wir wollen auf den gegebenen technischen Möglichkeiten der Gesellschaft die Produktion so organisieren, dass möglichst wenig Arbeit für jede_n notwendig ist, statt Überstunden und Burn-Out auf der einen und Verelendung durch Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite. Wir wollen eine befreite Gesellschaft, in der jede_r ohne Angst verschieden sein kann. Wir wollen den kosmopolitischen Kommunismus.
Deshalb rufen wir dazu auf, an der Demonstration am 08. Juni 2013 um 14 Uhr unter dem Motto „the future is unwritten. Globale Bewegungsfreiheit ermöglichen – Kapitalismus überwinden“ teilzunehmen und linksradikale Gesellschaftskritik auch in Trier sichtbar zu machen. In einer Stadt, in der inhaltliche Auseinandersetzung mit Plastikfiguren von Marx verwechselt wird, scheint uns dies auch dringend notwendig.*

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* Vom 5.-26.5.2013 sind in der Innenstadt Triers anlässlich des 195. Geburtstags von Karl Marx 500 Marx-Skulpturen von 100 cm Höhe ausgestellt. Der verantwortliche Künstler Ottmar Hörl sagt dazu: „Auf einen Platz konzentriert oder im Stadtraum verteilt werden meine Installationen zu visuellen wie greifbaren Hindernissen. Sie sollen ein Nachdenken auslösen, einen Moment des Innehaltens“

21.05. – Vortrag “Die große Entwertung – Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind” @ Trier

grosse_entwertung_trierVortrag und Diskussion mit Norbert Trenkle. Dienstag, 21.Mai um 19:30 Uhr im Mehrgenerationenhaus, Balduinstrasse 6

Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind

Die öffentliche Debatte über die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise zeichnet sich durch allgemeine Verwirrung aus: Der Volkszorn von links bis rechts macht wahlweise die »gierigen Banker« oder die »faulen Südländer« verantwortlich; die politische Klasse agiert wie ein Hobbyklempner, der hier und da ein paar Rohre flickt, während der Keller voll Wasser läuft; und die ehrlicheren Vertreter_innen der Volkswirtschaftslehre geben offen zu, dass ihre Disziplin vollkommen ratlos ist. Tatsächlich jedoch stellen sich die Ursachen der Krise, kritisch betrachtet, alles andere als rätselhaft dar. Das jahrzehntelange Aufblähen des Finanzüberbaus ist keinesfalls die Ursache der gegenwärtigen Kalamitäten, sondern stellte selbst wiederum den Versuch dar, eine fundamentale Strukturkrise aufzuschieben, die bereits in den 1970er Jahren ihren Ausgangspunkt hat. Der damals einsetzende Produktivkraftschub der dritten industriellen Revolution hat die Grundlagen der Kapitalverwertung unwiderruflich untergraben: die Vernutzung von lebendiger Arbeitskraft in der Produktion von Waren. Die Akkumulation von fiktivem Kapital an den Finanzmärkten verhalf dem kapitalistischen Weltsystem zwar noch einmal zu einem letzten großen Schub, doch der beruhte auf dem Ansaugen von zukünftigem Wert. Dieser Vorgriff auf die Zukunft stößt jetzt an seine Grenzen und es zeigt sich: Die Gesellschaft ist zu reich für den Kapitalismus.

Norbert Trenkle ist Mitglied der Gruppe Krisis und hat zusammen mit Ernst Lohoff das Buch »Die große Entwertung. Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind« (Unrast Verlag 2012) geschrieben.

Eine Veranstaltung der Autonomen Antifa Trier in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung und dem Multikulturellen Zentrum Trier

Angriff auf den Infoladen Trier in der Nacht auf den 11. Mai 2013

In der Nacht auf Samstag, den 11. Mai ereignete sich gegen 24 Uhr ein Anschlag auf den Infoladen in der Trierer Südstadt.

Der oder die bisher unbekannten Täter*innen warfen eine Flasche und mehrere faustgroße Steine gegen die Hausfassade der Hommerstraße 14 und zerstörten dabei eine Fensterscheibe und ein dahinter befestigtes Plakat, welches zur Courage gegen Neonazis aufrief. Ein vermutlich von der Hauswand abprallendes Wurfgeschoss verursachte zusätzlich einen Sachschaden an einem parkenden PKW. Nur durch Zufall wurde niemand der anwesenden Personen verletzt. Da der Angriff gezielt dem Infoladen galt, ist eine Tat mit rechtsradikalem Hintergrund wahrscheinlich.

Im Kontext zunehmender neonazistischer Aktivitäten im Raum Trier, lässt sich der Übergriff auf den Infoladen nicht als zufällige Einzeltat abtun. „Der Anschlag zeigt erneut“, so eine Besucherin des Infoladens, „dass Gewalttaten aus dem Kreise der radikalen Rechten nicht zu unterschätzen sind. Wer noch nicht erkannt hat, dass Trier ein ernsthaftes Nazi-Problem hat, ist auf dem rechten Auge blind.“

Tatsächlich häuften sich die Veranstaltungen und öffentlichen Auftritte der Trierer NPD um Safet Babic in den letzten Jahren massiv. Exemplarisch sind hier u.a. die  provokante Auftritte zu nennen, wie zum Beispiel am 9. November. Am Wochenende des 4. und 5. Mai kamen mit einer Kundgebung gegen den Besuch von Gregor Gysi und dem Abhalten eines Seminars zu Karl Marx nlässlich seines 195. Geburtstages weitere Auftritte hinzu. Darüber hinaus schockierten in der vergangenen Zeit jedoch auch gewalttätige Angriffe auf Personen. Im Dezember letzten Jahres ereignete sich beispielsweise in der Karl-Marx-Straße in Trier ein rassistisch motivierter Übergriff, bei dem drei Personen in einem Lokal angegriffen und verletzt wurden.

Es ist zu vermuten, dass auch der Angriff gegen den Infoladen ein weiterer Versuch ist, Menschen einzuschüchtern, die sich gegen Neonazis und Rassismus engagieren und für eine Gesellschaft ohne Diskriminierung kämpfen. Die Polizeiinspektion Trier hat die Ermittlungen aufgenommen.

“Geschlecht und Ungleichheit” – Vortragsreihe des Centrums für Postcolonial und Gender Studies

Mit dem Titel „Geschlecht und Ungleichheit“ veranstaltet das CePoG dieses Sommersemester eine vierteilige Vortragsreihe.

8. Mai 2013
Prof. Dr. Regine Gildemeister (Tübingen): Geschlecht als Gegenstand soziologischer Forschung 

12. Juni 2013
Prof. Dr. Heike Kahlert (LMU München): Riskante Karrieren – Geschlechterungleichheit im Wissenschaftssystem

26. Juni 2013
Dr. Karin Yeşilada (Paderborn): Vorhang auf: Die Türkin kommt! – Mediale und literarische Fremd- und Selbstinszenierungen türkisch-deutscher Einwanderungskultur

10. Juli 2013
Prof. Dr. Andreas Hadjar (Luxemburg): Geschlechterunterschiede im Bildungssystem

Alle Vorträge finden um 12 Uhr c.t. im Raum A 9/10 der Universität Trier statt.